Sonntag beim Superbloom Festival 2025 – Finale mit Gänsehaut bis Rave-Ekstase


Sonntag beim Superbloom Festival 2025 – Finale mit Gänsehaut bis Rave-Ekstase
Am Sonntag, den 31. August 2025 startete mit dem Superbloom Festival noch einmal der letzte Festivaltag in München. (Bild: Julia Langmaack)

Der Sonntag beim Superbloom Festival 2025 im Münchner Olympiapark zeigte noch einmal eindrucksvoll, warum dieses Festival inzwischen zu den absoluten Aushängeschildern der europäischen Festivalkultur zählt. Zwischen internationalen Headlinern, die den Olympiaberg zum Beben brachten, und detailverliebtem Rahmenprogramm von Yoga-Sessions bis hin zu Science-Shows, war der hochsommerliche Tag mit Sonne satt ein wilder Ritt durch Musik, Lifestyle und Kultur. Die Besucher schlenderten durch Food-Courts, machten Abstecher in die Rollerdisco oder ließen sich im Comfort Soul Space eine kurze Auszeit vom Trubel gönnen – ein perfekter Mix aus Party und Wohlfühlmomenten.

Was das Superbloom ausmachte, war die Art, wie Mode, Social Media und Community-Spirit verschmolzen: vom Younique-Stage-Programm über Workshops bis hin zu popkulturellen Diskursen wurde jede Nische gefeiert. Musikalisch reichte die Spannweite von internationalen Stars auf Olympic- und Super Stage bis hin zu aufregenden Newcomer:innen auf der NeoNeo Stage, die sich spürbar über ihr bunt gemischtes Publikum freuten. Während die großen Namen für Gänsehaut-Momente sorgten, machten die kleineren Bühnen klar, dass Superbloom auch 2025 ein Ort für Entdeckungen war. Am Ende blieb das Gefühl, Teil einer Community zu sein, die Musik nicht nur hört, sondern lebt und feiert.

Suki Waterhouse

Für uns ging es zum Tagesstart vor die Olympic Stage, denn dort erwartete die Besucher eine elegante Mischung aus Indie-Glamour und Hollywood-Coolness auf der Bühne. Die britische Musikerin Suki Waterhouse, die längst nicht mehr nur als Model und Schauspielerin bekannt ist, überzeugte mit charismatischer Präsenz und einem Sound, der zwischen Retro-Charme und moderner Pop-Sensibilität schwebte. Suki verband intime Emotionen mit einer filmreifen Ausstrahlung, die das Publikum verzauberte und fesselte. Ihr Auftritt war ein stilvolles Highlight gleich am Mittag, das bewies, dass Suki Waterhouse längst auch als ernstzunehmende Musikerin auf den Festivalbühnen der Welt angekommen ist. Aber auch, dass viele neugierige Gesichter das medienwirksame Model, die junge Mutter und Partnerin von Frauenschwarm Robert Pattinson einmal live sehen und erleben wolten.

Montez + 01099

Tiefgang, Hit‑Potenzial und echte Festival‑Power: Montez stieg zur Mittagszeit auf die Super Stage und brachte mit seinem rauen Rap‑Sound frischen Wind aufs Gelände – eine Atmosphäre, die live noch intensiver wirkt als auf dem neuesten Studioalbum „Pass auf mein Herz auf“ (2024). Der Bielefelder schrieb seine ersten Verse mit 13, brachte es mit „Auf & ab“ (2021) sogar auf Platz 1 der deutschen Charts und sicherte sich zudem prestigeträchtige Preise wie „Newcomer des Jahres“ – echte Hip‑Hop‑Credibility. Auf der Bühne fesselte Montez die Crowd mit erdiger Authentizität, cleveren Wortspielen und einem rundum tightem Live‑Sound. Seine persönliche Energie und die emotionale Tiefe der Stücke aus sechs Studioalben gaben dem Auftritt Herz und Seele – quietschende Gitarren oder Big‑Stage‑Beats suchte man hier vergeblich, stattdessen ehrliche Geschichten und authentische Wucht.

Als nächstes folgte eine große Sommerparty. 01099 sind längst aus dem Newcomer-Status herausgewachsen zeigten, dass sie große Festivalbühnen mit links füllen können. Die Jungs aus Dresden brachten mit ihrer unbeschwerten Mischung aus Rap, Pop und jugendlicher Leichtigkeit genau die Energie, die man für einen perfekten Festivalnachmittag braucht auf die Olympic Stage. Besonders war, wie spielerisch zwischen Spaß und smarter Attitüde die Musiker wechselten und dabei die Crowd zwischen Teenies bis Ü30 gleichermaßen abholten. Mit Humor, sympathischer Bühnenpräsenz und einem Sound, der wie gemacht für TikTok-Momente war, setzten sie ein dickes und gut gelauntes Ausrufezeichen.

Alessi Rose + Conan Gray

Alessi Rose verzauberte das Superbloom-Publikum auf der NeoNeo Stage mit bittersüßem Indiepop, verträumtem Storytelling und einer Stimme, die zwischen Zerbrechlichkeit und Power changierte. Ihre Musik – irgendwo zwischen Lana Del Rey und Holly Humberstone – lebt von ehrlichen Texten, warmen Synths und catchy Melancholie. Mit viralen Erfolgen auf TikTok und einer stetig wachsenden Fanbase war ihre Show ein intimer Moment im großen Festivalrummel. Live überzeugte sie mit emotionaler Tiefe, charmantem Auftreten und feinem Gespür für Atmosphäre. Ein kleiner, feiner Glanzmoment für alle, die Gefühle feiern statt nur Bassdrops.

Pop-Drama und TikTok-Gen Z-Aura, genau das erwarteten und bekamen die Zuschauer von Conan Gray auf der Super Stage gelierfert. Der US-Sänger, der längst als Stimme einer ganzen Generation gilt, faszinierte mit großen Emotionen sowie einem makellosen Sinn für Style und Ästhetik. Großartige Bühnenpräsenz, die irgendwo zwischen verletzlicher Sensibilität und glitzernder Pop-Ikone changierte. Die Crowd feierte ihn wie einen alten Freund, der ihre Geschichten auf der Bühne erzählte. Sein Auftritt war ein visuelles und musikalisches Highlight des Tages, das bewies, warum Conan Gray international längst zu den spannendsten Popstars seiner Zeit gehört.

Dilla + Giant Rooks

Nun folgte auf der NeoNeo Stage einer dieser Auftritte, die man so schnell nicht vergisst. Die deutsche Sängerin und Songwriterin Dilla überzeugte mit einer Mischung aus lockerer Authentizität, spürbarem Selbstbewusstsein und einer Energie, die sofort auf das Publikum übersprang. Dilla schuf jede Menge große Pop-Momente mit ehrlicher Nahbarkeit, was sie gleichzeitig zur Trendsetterin und Identifikationsfigur für viele Fans machte. Ihr Auftritt war ein starkes Statement dafür, dass Dilla aktuell zu den spannendsten Stimmen im deutschen Pop zählt.

Die Giant Rooks zeigten am späten Nachmittag auf der Olympic Stage eindrucksvoll, warum sie zu den international erfolgreichsten deutschen Indie-Bands ihrer Generation zählen. Mit ihrem unverkennbaren Mix aus eingängigen Melodien, tanzbarer Energie und melancholischem Tiefgang rissen sie das Publikum von der ersten Sekunde an mit. Irgendwie fühlte es sich an wie ein riesiger Stadionmoment und doch blieb die Intimität einer Clubshow spürbar erhalten. Frontmann Frederik Rabe glänzte mit einer Stimme, die live noch eindringlicher wirkte und zwischen feiner Zerbrechlichkeit und purer Euphorie changierte. Die Band präsentierte sich nicht nur musikalisch auf höchstem Niveau, sondern auch mit einer spürbaren Freude, die das Publikum ansteckte und in Bewegung hielt.

Wasia Project

Wasia Project lieferte auf der NeoNeo Stage ein Pop-Set ab, das gleichermaßen charmant wie energetisch wirkte – ideal für Festivalfans, die mehr wollen als nur Mainstream-Hits. Die Band kombinierte eingängige Melodien mit verspielt-träumerischen Sounds, die im Olympiapark sofort für Mitsingstimmung sorgten und gezeigt haben, warum sie auf den Bühnen der Indie-Szene gerade richtig durchstartet. Mit ihrem aktuellen Aufschwung, sichtbar in wachsenden Social-Media-Follower-Zahlen und ihren ersten Festival-Höhenflügen, demonstrierten sie auf der Bühne, dass sie mehr sind als nur ein Newcomer mit hübschem Sound. Ihre Performance war luftig inszeniert, optisch clean ohne peinliche Overproduction – und gerade durch diese Leichtigkeit zeitlos überzeugend.

Bebe Rexha + Souly

Hier gab es nun die perfekte Kombination aus Pop-Glanz und purer Bühnenpower. Die US-Sängerin Bebe Rexha zeigte auf der Super Stage einmal mehr, warum sie als eine der vielseitigsten Stimmen der internationalen Popwelt gilt – mit einer Performance, die gleichermaßen glamourös, energetisch und nahbar wirkte. Ihre großartigen Hits trug sie mit starker Persönlichkeit vor, die zwischen Diva-Attitüde und echter Bodenständigkeit changierte. Ihre Interaktion mit dem Publikum wirkte spontan und authentisch, was die Riesen-Crowd sofort auf ihre Seite zog. Modebewusst wie immer brachte sie nicht nur musikalisch, sondern auch visuell das gewisse Superstar-Feeling nach München. Der Auftritt war ein Statement, dass Bebe Rexha längst auf den ganz großen Festivalbühnen zu Hause ist. Ihr Finale setzte einen funkelnden Schlusspunkt unter den ersten Tag und machte klar: Diese Frau versteht es, Pop im besten Sinne zu inszenieren.

Eine intime, aber gleichzeitig elektrisierende Performance gab es auf der NeoNeo Stage danach von Souly. Der Berliner Künstler überzeugte mit seiner Mischung aus souligen Vocals, modernen Beats und einer Attitüde, die genauso international wie eigenständig wirkte. Besonders war Soulys Fähigkeit, mit lässiger Coolness und emotionaler Tiefe die Brücke zwischen Underground-Vibe und Mainstream-Appeal zu schlagen. Das Publikum spürte diese Echtheit sofort und feierte ihn wie einen Geheimtipp, der längst keiner mehr ist. Sein Auftritt war einer dieser besonderen Momente, bei denen man wusste: hier wächst ein Künstler, der bald noch viel größere Bühnen füllen wird.

Shawn Mendes

Shawn Mendes verwandelte die Olympic Stage direkt in ein Pop-Spektakel der Extraklasse. Der kanadische Sänger und Songwriter zeigte, dass er zu recht weltweit zu den größten Popstars seiner Generation zählt – mit einer Mischung aus stimmlicher Präzision, lässiger Bühnenpräsenz und charismatischer Nähe zum Publikum. Modisch wie gewohnt mit einem mühelos coolen Look (und passendem Germany-Aufdruck auf dem T-Shirt) inszenierte er sich als Star, der Pop nicht nur singt, sondern lebt. Die Crowd feierte ihn frenetisch, zwischen kreischenden Fans in den ersten Reihen und begeistertem Mitsingen bis in die hinteren Ränge. Seine Interaktionen wirkten spontan und ehrlich, was die große Festivalbühne plötzlich fast familiär wirken ließ. Mendes spielte mit einer Leichtigkeit, die zeigte, dass er mittlerweile völlig souverän im Pop-Olymp angekommen ist. Sein Auftritt war ein Headliner-Moment, der die Olympic Stage zum emotionalen Epizentrum des Festivals machte.

Hozier + Ikkimel

Der irische Musiker zeigte, warum er längst als einer der charismatischsten Singer-Songwriter seiner Generation gilt – mit einer Stimme, die live noch eindringlicher und größer wirkte als auf Platte. Hier wechselten sich intime Momente voller Poesie mit monumentalen Festival-Hymnen ab. Die Besucher ließen sich begeistert mitziehen von der magischen Mischung aus Folk, Soul und Rock. Seine Band lieferte dazu ein sattes, organisches Klangfundament, das die emotionale Wucht seiner Songs noch verstärkte. Die Menge hing an jedem Ton, zwischen andächtigem Lauschen und kollektiver Euphorie. Hozier setzte damit einen würdevollen und zugleich elektrisierenden Schlusspunkt unter den Festivalsonntag.

Der Kontrast zum nächsten Auftritt könnte nicht größer sein und glich eher einem Faustschlag in den Magen. Ikkimel machte sich auf den Weg aus Berlin auf die NeoNeo Stage, um ihren (so selbstgenannten) „Fotzenstyle“ nach München zu bringen. Die Bühnenperformance war zwar witzig und energiegeladen, die Sprach-Tabubrüche mit explizitem, derben deutschen Gossenvokabular (F…., f….. usw.) allerdings leicht verstörend. Die Crowd brüllte begeistert mit und es kam, für Hyperpop untypisch, zu Moshpits. Wir beobachteten die oft als feministische Selbstermächtigung interpretierte Sprache mit ein wenig ironischem Augenzwinkern. Ikkimel lieferte jedenfalls einen soliden Auftritt und nötigte uns dafür Respekt ab. Der Rest war Geschmacksache.

Tiësto

Star-DJ Tiësto setzte mit seinem finalen Auftritt des diesjährigen Superblooms auf der Olympic Stage ein elektrisierendes Ausrufezeichen. Der niederländische Star-DJ bewies einmal mehr, warum er seit Jahrzehnten zu den größten Namen der elektronischen Musik gehört – mit einem Set, das zwischen euphorischer Ekstase und perfekt getimten Drops keine Wünsche offenließ. Wahnsinn: Ein so riesiges Publikum nicht nur zu beschallen, sondern zu dirigieren, als wäre die gesamte Crowd eine einzige pulsierende Einheit. Visuell wurde das Ganze von einem bombastischen Licht- und Pyro-Spektakel begleitet, das den Olympiapark in eine futuristische Rave-Kathedrale verwandelte. Tiësto strahlte dabei eine Souveränität aus, die nur Künstler haben, die längst Legendenstatus erreicht haben. Trotz der Größe wirkte sein Auftritt nie distanziert – im Gegenteil, er schaffte es, intime Momente voller Verbundenheit mit zehntausenden Tanzenden zu kreieren. Die Energie peitschte bis zur letzten Sekunde, als wäre das Festival gerade erst gestartet. Mit diesem Finale verwandelte Tiësto die Olympic Stage in den vielleicht größten Dancefloor Münchens und ließ das Publikum beseelt in die Nacht entlassen.