Auch in diesem Jahr machten wir uns wieder auf den Weg in den Harz, um eines der (meine Meinung nach) besten Metal-Festivals Deutschlands zu besuchen: das ROCKHARZ Festival am Fuße der Teufelsmauer. Wie schon in den vergangenen Jahren war das Festival auch diesmal innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.

Besonders hervorzuheben ist das großartige Inklusionscamp mit 24-Stunden-Pflegedienst, der Kompass-App, barrierefreien Duschen und Toiletten sowie der Möglichkeit, Handbikes auszuleihen. Auch im Infield wurde auf Barrierefreiheit geachtet: Zwei erhöhte Plattformen ermöglichten Menschen mit Handicap eine bessere Sicht auf die Konzerte und machten das Festival ein gutes Stück barriereärmer. Neu in diesem Jahr waren die Bierautomaten zum Selbstzapfen mit Kartenzahlung, ein wettergeschütztes Widmungs- und Grußbuch an der Teufelsmauer, zusätzliche Bierbänke im Schatten mit einer Leinwand sowie kostenlose Parkplätze am Rand des Campgrounds für Tagesgäste. 

Seit 2025 ist das ROCKHARZ eine offizielle Außenstelle des Standesamts Ballenstedt. Acht Paare gaben sich deshalb auch in diesem Jahr direkt auf dem Festivalgelände das Ja-Wort. Auch Kunstliebhaber kamen auf ihre Kosten: Mitten im Infield gab es eine Ausstellung der Künstler Thomas Ewerhard, Björn Gooßes und Wito Apitz. Dort konnten beeindruckende Porträts von Rob Halford, Ozzy Osbourne und weiteren Metal-Legenden sowie exzentrische Gemälden bestaunt und sogar gekauft werden. Bei so vielen Neuerungen und Highlights kam die Vorfreude ganz von allein. Unsere Frühanreise am Dienstag verlief zwar langsam, aber ohne größere Verzögerungen. Gegen 16 Uhr kamen wir schließlich an.

Nachdem das Camp aufgebaut war, machten wir uns sofort auf, das bereits teilweise geöffnete Festivalgelände zu erkunden. Bier- und Cocktailstände, Merch, harte Schnapps mit dem Namen Teufelszeuch (registered mark) und andere Stände warteten bereits auf durstige Metalheads wie uns. Nach unserer ersten Runde durfte natürlich das obligatorische Festival-Eröffnungsgetränk nicht fehlen. Anschließend wurde der Gasgrill angeworfen, um den ersten Hunger zu stillen. Den Rest des Abends ließen wir entspannt ausklingen, bevor wir die nötige Ruhe für die kommenden Festivaltage tankten.

Mittwoch – 1. Juli 2026

Noch kein Konzert hatte begonnen, da fing es plötzlich an zu regnen und zu stürmen. Eine ordentliche Ladung Wasser kam herunter und sorgte dafür, dass der Tag angenehm frisch und abgekühlt wurde.

Die restlichen Nachbarn kamen nach und nach auf dem Campground an, da der Einlass zum Infield für 15 Uhr geplant war. Hunderte Metalheads, ihre Kinder und sogar Menschen in Dinokostümen warteten vor der Schleuse, bis es endlich so weit war. Wie fast jedes Jahr betraten Storm Seeker mit ihren Mini-Instrumenten und jeder Menge Albernheit als Erste das Infield, bevor die übrigen Besucher aufgefordert wurden, hineinzugehen. Man konnte die Freude der Festivalbesucher förmlich spüren, auch wenn es diesmal kein „Stierrennen“ wie in den vergangenen Jahren gab.

Tierisch ging es dennoch weiter, denn Heavysaurus eröffneten das Festival musikalisch. Vor der Bühne standen nicht nur Festivalbesucher, sondern auch Kinder aus den umliegenden Orten verschiedener Schulen und Sportvereine. Die jüngste Generation erhielt sogar einen privilegierten Platz direkt vor der Bühne, damit sowohl die Sicht als auch die Sicherheit der Kleinsten gewährleistet waren. Gecoverte, kindgerecht adaptierte Metalsongs wurden von allen mit großem Jubel gefeiert.

Nachdem die zukünftige Metalheads den Platz verlassen hatten, machten Soulbound auf der Rockstage weiter. Die Präsentation ihres neuen Albums „Syn“ sowie Songs wie „Devil“ und „Alive“ standen auf der Agenda des Quintetts aus Bielefeld. Die Mischung aus Alternative Metal, Synthesizern und klarem Gesang brachte viele Besucher zum Tanzen.

Endlich schien die Sonne, und das Infield füllte sich langsam. Harakiri for the Sky betraten die Darkstage mit ihrem Post-Black-Metal und düsteren Melodien. Ich war zunächst der Meinung, dass diese Musik besser in die Dunkelheit passen würde. Tatsächlich irrte ich mich. Die Österreicher schlugen sich trotz Hitze und Tageslicht hervorragend, hielten das Tempo konstant hoch und lieferten mit den Gitarristen auf beiden Bühnenseiten ordentliches Headbanging.

Danach wurde es erneut laut und diesmal mit The Haunted, der schwedischen Death-Metal-Band mit ihrem aktuellen Album „Songs of Last Resort“ aus dem vergangenen Jahr. Die typischen schwedischen Death-Metal-Elemente und thrashige Riffs waren deutlich zu spüren. Anfangs empfand ich die Lautstärke als etwas zu niedrig, doch zum Glück erhöhten die Soundtechniker das Volumen nach kurzer Zeit, sodass der Sound deutlich schlagkräftiger wurde und meinen leidenschaftlichen Ohren besser gefiel.

Nach der klassischen Motorsäge kamen die Finnen Ensiferum auf die Bühne. Der lateinische Name bedeutet „Schwertträger“ und passt zu hundert Prozent zum Stil der Band. Mit nordischen Melodien und Wikinger-Corpsepaint wurde überall getanzt und gehüpft, auch wenn dieses Jahr kein neues Album erscheinen wird. Besonders bei „Token of Time“ hatte das Publikum sichtlich Spaß.

Um 19:45 Uhr stand die Sonne bereits tief am Himmel, die Hitze hatte nachgelassen und Paradise Lost betraten die Bühne. Der Abend wurde von sanften Melodien für die Seele geprägt, bot aber ebenso rockige und rhythmische Momente, unter anderem mit ihrer Version von „Smalltown boy“ von Bronski Beat. Die Show war ein voller Erfolg.

Anschließend wechselte der Blick erneut zur anderen Bühne, denn dort wartete ein ganz besonderer Gast: Zakk Wylde mit Black Label Society. Der ehemalige Ozzy-Osbourne-Gitarrist, bekannt für seine zahlreichen Musikprojekte und seine beeindruckende Gitarrensammlung, bereitete uns mit seinem virtuosen Spiel große Freude. Seine Melodien und sein Gesang erinnerten immer wieder an Ozzy Osbourne. Besonders bei den Covers „No More Tears“ und „Smoke on the Water“ rockte die Band das Infield mit voller Wucht.

Nun war die Stimmung endgültig auf dem Höhepunkt und alles war bereit für die Veteranen von Helloween. Das Konzert fühlte sich für mich wie eine Zeitreise an, da viele Klassiker gespielt wurden. Die Erinnerungen an früher waren plötzlich wieder ganz präsent – natürlich im Kürbisformat. Die drei Sänger Kai Hansen, Michael Kiske und Andi Deris sangen sowohl gemeinsam als auch einzeln und sorgten mit ihren unterschiedlichen Stimmen für viel Abwechslung, auch wenn Michael Kiskes Stimme heute nicht mehr ganz die Stärke früherer Jahre besitzt. Zwei Stunden voller makelloser Riffs, Heavy Metal und jeder Menge Spaß rundeten die Mitternacht perfekt ab.

Zum Abschluss des Tages ging es musikalisch noch einmal zurück nach Finnland. Zum ersten Mal sahen wir Steve’n’Seagulls live direkt aus dem Saunagang gekommen. Die sympathischen, aber zugleich hochprofessionellen Musiker begeisterten mit Akkordeon, Banjo und einer gehörigen Portion Humor. Zahlreiche Songs von AC/DC sowie weitere Klassiker der Achtziger verwandelten sie in ihren unverwechselbaren Bluegrass-Stil. Einen besseren Abschluss für den ersten Festivaltag hätten wir uns kaum wünschen können. Zufrieden ließen wir uns schließlich in die Federn fallen.

Donnerstag – 2. Juli 2026

Auf manchen RHZ-Merchandise-T-Shirts steht auf der Rückseite der Satz „At the Devil’s Wall“. Gemeint ist die Teufelsmauer – eine markante Sandsteinfelsformation zwischen Ballenstedt und Blankenburg und eines der bekanntesten Wahrzeichen des Harzvorlandes. Für viele Besucher des ROCKHARZ Festivals ist sie weit mehr als nur ein Ausflugsziel. Ihre bizarren Felsen sind von fast jedem Punkt des Festivalgeländes aus sichtbar und gehören mittlerweile genauso zum Festival wie die Bühnen oder das Riesenrad. Ein Besuch der Teufelsmauer ist für viele längst zu einer festen Tradition geworden.

Der zweite Festivaltag begann für die Runners bereits um 10 Uhr mit ihrer morgendlichen Laufrunde. Für uns stand die obligatorische Wanderung zur Teufelsmauer auf dem Programm. Der Aufstieg ist die perfekte Vorbereitung auf die bevorstehenden Tage voller Headbanging. Oben angekommen wurden wir von einer Gruppe Festivalbesucher empfangen, die Bierfässer hinaufgeschafft und Musik aufgebaut hatten. Jeder Neuankömmling wurde mit einem kühlen Getränk und einem freundlichen Gespräch begrüßt – Festivalgemeinschaft in ihrer schönsten Form. Auf dem Rückweg sorgten reife Kirschen von den Bäumen am Wegesrand noch für einen gesunden Snack, bevor es zurück auf das Infield ging und zwar zu Mittel Alta auf der Rockstage.

Die Berliner Mittel Alta lieferten einen der ungewöhnlichsten Auftritte des Tages. Mit einer wilden Mischung aus Techno, Rock und Rap sowie jeder Menge Humor brachten sie das Publikum bereits am frühen Nachmittag zum Tanzen. Die Figuren Krieger, Narr, Partisan und Mönch, die durch die markanten Kostüme dargestellt werden, verliehen der Show ihren ganz eigenen Charakter. Viel Bühnendekoration brauchte die Band nicht – die treibenden Beats, eingängigen Refrains und die Begeisterung des Publikums reichten vollkommen aus. Das Infield verwandelte sich innerhalb weniger Minuten in eine riesige Party, bevor Hagane die Rockstage betrat. Mit Hagane aus Tokio stand anschließend feinster japanischer Power Metal auf dem Programm. Die vier Musikerinnen wirkten in ihren Manga-inspirierten Outfits zunächst fast zerbrechlich, doch dieser Eindruck verschwand bereits nach den ersten Takten. Rasante Gitarrenläufe, präzises Schlagzeug und starke Gesangsleistungen sorgten für reichlich Begeisterung. Die sympathische Ausstrahlung der Band tat ihr Übriges und machte den Auftritt zu einer der positiven Überraschungen des Nachmittags. Ein gelungener Beweis dafür, dass Power Metal keine Sprachbarrieren kennt.

Die Darkstage verwandelte sich in einer Stahlfabrik und es wurde anschließend deutlich härter. Stahlmann präsentierten Songs ihres neuen Albums „Schwarz wie der Tod“ und kombinierten diese mit bekannten Klassikern ihrer Karriere. Druckvolle Gitarren, elektronische Elemente und die markante Stimme von Frontmann Mart verliehen dem Auftritt den typischen NDH-Sound. Titel wie „Mann aus Stahl“, „Schwarz“ oder „Süchtig“ sorgten für ausgelassene Stimmung. Dazu kamen zahlreiche Flammen und Pyroeffekte, die trotz des hellen Tageslichts eine düstere Atmosphäre erzeugten.

Die Hamburger Sagenbringer zeigten sich so eindrucksvoll wie . Mit Songs aus ihrem aktuellen Album „Zwischen den Welten“ sowie zahlreichen Publikumslieblingen boten sie eine abwechslungsreiche und emotionale Show. Frontmann Haldruhir überzeugte mit seiner charismatischen Bühnenpräsenz und suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum. Musikalisch bewegte sich die Band souverän zwischen PaganMetal und Folk-Elementen. Das Publikum dankte es mit lautstarkem Applaus und zahlreichen Mitsingmomenten.

Die Band Dogma aus Chile sorgten mit ihrem geheimnisvollen Auftreten für neugierige Blicke. Die geschminkten Musikerinnen kombinierten modernen Heavy Metal mit einer aufwendig inszenierten Bühnenshow. Harte Gitarrenriffs trafen auf eingängige Melodien und eine kraftvolle Gesangsperformance. Die sexy Nonenkostüme und die düstere Optik passte hervorragend zur Musik und machte den Auftritt zu einem echten Hingucker. Eine Band, die sicherlich viele neue Fans hinzugewonnen hat.

Die finnischen Frontmann von Ensiferum Petri Lindroos und der ehemalige Keyboarder von Children of Bodom Janne Warman spielen zusammen in Warmen und überzeugten mit hoher musikalischer Qualität und viel Spielfreude auf dem ROCKHARZ. Schnelle Soli, präzise Rhythmusarbeit und eingängige Melodien prägten das Set. Besonders die Keyboardpassagen verliehen den Songs ihren unverwechselbaren Charakter. Das Publikum honorierte die technisch starke Darbietung mit viel Applaus. Ein Auftritt, der vor allem Fans des melodischen Death Metals begeisterte.

Jetzt wurde es kompromisslos. Die polnischen Death-Metal-Veteranen legten mit brutalen Riffs, präzisem Drumming und enormer Wucht los. Circle Pits und kräftiges Headbanging bestimmten sofort das Bild vor der Bühne. Trotz aller Härte überzeugte die Band durch technische Perfektion und ein extrem druckvolles Zusammenspiel. Ein Auftritt, der eindrucksvoll zeigte, warum Decapitated seit Jahren zur Spitze des Genres gehören.

Die Hardcore-Legenden aus New York Agnostic Front brachten eine ordentliche Portion Old-School-Hardcore auf das ROCKHARZ. Kurze, schnelle Songs und klare Ansagen sorgten für eine intensive Atmosphäre vor der Bühne. Sänger Roger Miret animierte das Publikum immer wieder zum Mitsingen und Mitmachen. Vor der Bühne herrschte ausgelassene Bewegung, ohne dass die familiäre Festivalstimmung verloren ging. Ein energiegeladener Auftritt mit viel Herzblut.

Kurzzeitig musste der Zeitplan aufgrund einer aufziehenden Unwetterfront angepasst werden. Dominum und Hämatom tauschten ihre Auftrittszeiten, sodass der Ablauf für die Sicherheit aller Besucher optimiert werden konnte.

Die Schweden Avatar verwandelten die Bühne in ein düsteres Theater. Mit ihrer Mischung aus Modern Metal, Groove und düstere Zirkusästhetik lieferten sie eine perfekt inszenierte Show. Frontmann Johannes Eckerström faszinierte mit Mimik, Gestik und außergewöhnlicher Bühnenpräsenz. Musikalisch überzeugte die Band mit Präzision, eingängigen Refrains und enormer Energie. Avatar bewiesen einmal mehr, warum sie live zu den spektakulärsten Metalbands der Gegenwart zählen.

Der Headliner des Abends Alice Cooper ließ dieses Mal eine Wünsche offen. Aufgrund des Wetters konnte dieses Mal die choreografierte Horror-Rock-Show mit Guillotine, Riesenschlange und zahlreichen theatralischen Einlagen nicht stattfinden. Aber Klassiker wie „Poison“, „No More Mr. Nice Guy“ und „School’s Out“ wurden von den Fans lautstark mitgesungen. Trotz seiner jahrzehntelangen Karriere wirkte Cooper spielfreudig und bestens aufgelegt. Ein Auftritt, der eindrucksvoll zeigte, warum er bis heute zu den größten Entertainern der Rockgeschichte gehört.

Den Abschluss des Tages übernahmen Hämatom, die nach der wetterbedingten Programmänderung später als geplant auf die Bühne kamen. Mit ihrer Mischung aus Neuer Deutscher Härte, Punk und Metal sorgten sie noch einmal für reichlich Bewegung vor der Bühne. Harte Gitarren, eingängige Refrains und eine beeindruckende Pyroshow bildeten den perfekten Abschluss eines langen Festivaltages. Das Publikum feierte jede Minute und verabschiedete die Band mit großem Applaus. Ein würdiger Schlusspunkt unter einen abwechslungsreichen Donnerstag beim ROCKHARZ.

Text: Ainhoa Monreal Álvarez