Nach zwei Tagen voller Metal zeigte sich das ROCKHARZ am Freitag von seiner besten Seite. Strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen und ein bestens gefülltes Infield sorgten schon am Vormittag für ausgelassene Stimmung. Die Wege zwischen Campingplatz und Festivalgelände waren inzwischen Routine geworden, und überall waren gut gelaunte Besucher anzutreffen. Der Freitag versprach ein abwechslungsreiches Programm – von modernem Melodic Death Metal über Folk und Hardcore bis hin zu legendärem Thrash Metal und einer großen Hardrock-Show.
Freitag – 3. Juli 2026
Den Auftakt auf der Darkstage machten Cypecore mit ihrer futuristischen Endzeit-Inszenierung. Masken, aufwendige Kostüme und martialisches Bühnenbild unterstrichen den modernen Melodic-Death-Metal der Mannheimer. Druckvolle Riffs, elektronische Elemente und präzises Zusammenspiel sorgten vom ersten Song an für Bewegung vor der Bühne. Trotz der frühen Uhrzeit füllte sich das Infield schnell und die ersten Circle Pits ließen nicht lange auf sich warten. Ein kraftvoller Start in den Festivaltag.
Hiraes knüpften nahtlos an die Energie ihrer Vorgänger an. Frontfrau Britta Görtz dominierte mit ihrer beeindruckenden Growl-Stimme und enormer Bühnenpräsenz das Geschehen. Die Band überzeugte mit melodischem Death Metal, der gleichermaßen Härte und eingängige Melodien vereinte. Das Publikum honorierte die Spielfreude mit lautstarken Ovationen und kräftigem Headbanging. Einer der stärksten Auftritte des Nachmittags.
Mit Gothminister wurde es düster. Nebel, Totenköpfe und eine aufwendig inszenierte Bühnenshow sorgten sofort für die passende Atmosphäre. Zwischen Industrial Metal und Gothic Rock setzte die norwegische Band auf eine Mischung aus schweren Gitarren und elektronischen Sounds in der Präsentation des neuen EPs „The Dark“. Der Frontmann und ehemaliger Sänger der Thrash Metal Band Conceptor Bjørn Alexander Brem überzeugte mit seiner charismatischen Erscheinung und bezog das Publikum immer wieder mit ein. Es wurde ein optisches und musikalisches Erlebnis für alle.
Deutlich bodenständiger ging es anschließend bei Rauhbein zu. Die Mischung aus Folk-Rock, ehrlichen Texten und eingängigen Melodien traf den Geschmack des ROCKHARZ-Publikums. Bereits nach wenigen Songs wurde kräftig mitgesungen und geschunkelt. Frontmann Henry M. Rauhbein suchte immer wieder den Kontakt zu den Fans und sorgte für eine familiäre Atmosphäre. Ein sympathischer Auftritt mit viel Herz und guter Laune.
Jetzt bei Walls of Jericho wurde es kompromisslos. Die US-amerikanischen Metalcore-Pioniere lieferten eine brachiale Show voller Energie. Sängerin Candace Kucsulain fegte mit unglaublicher Intensität über die Bühne und heizte das Publikum permanent an. Vor der Bühne entstanden die größten Moshpits des bisherigen Tages, während die Band musikalisch keinerlei Gefangene machte. Hardcore in seiner intensivsten Form.
Nach so viel Härte sorgten Fiddler’s Green für eine ausgelassene Folk-Party. Mit Geige, Akustikgitarre und jeder Menge guter Laune verwandelten sie das Infield in einen riesigen Tanzboden. Klassiker und neue Songs wechselten sich ab, während das Publikum sprang, klatschte und lautstark mitsang. Die Erlanger bewiesen einmal mehr, warum sie seit Jahren zu den beliebtesten Festivalbands gehören. Pure Lebensfreude auf der Bühne.
Die Apokalyptischen Reiter zeigten einmal mehr, warum sie auf dem ROCKHARZ fast schon zum Inventar gehören. Zwischen Heavy Metal, Folk und ungewöhnlichen Klangexperimenten bot die Band eine abwechslungsreiche und mitreißende Show. Frontmann Fuchs überzeugte mit seiner lockeren Art und seiner Nähe zum Publikum. Die Fans feierten jede Ansage und jeden Song lautstark. Ein Auftritt voller Energie, Humor und Spielfreude.
Mit Biohazard hielt New Yorker Hardcore Einzug auf dem Festivalgelände. Harte Gitarrenriffs trafen auf Hip-Hop-Einflüsse und die charakteristischen Wechselgesänge der Band. Das Publikum reagierte sofort mit Moshpits und lautstarken Sprechchören. Die Band wirkte spielfreudig und routiniert und zeigte eindrucksvoll, warum sie seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Vertretern des Hardcore-Crossover zählen. Ein echtes Brett.
Als die Sonne langsam tiefer stand, übernahmen Subway to Sally die Bühne. Mit Dudelsäcken, Geige und mittelalterlichen Klängen schufen sie ihre ganz eigene Atmosphäre. Klassiker aus ihrer langen Karriere wurden ebenso gefeiert wie neuere Titel. Eric Fish führte gewohnt souverän durch das Programm und verstand es hervorragend, das Publikum einzubeziehen. Ein Auftritt voller Emotionen und musikalischer Vielfalt. Songs wie „wir sind die Eisblume“, „Sieben“ und „Julia und die Räuber“ durften auf keinen Fall auf der Agenda fehlen und wurden fröhlich mitgesungen und gefeiert.
Kaum eine Band verkörpert klassischen Hard Rock so kompromisslos wie Airbourne. Von der ersten Minute an dominierten schweißtreibende Gitarrenriffs, eingängige Refrains und unbändige Spielfreude das Geschehen. Frontmann Joel O’Keeffe kletterte mit seiner Gitarre über Lautsprechertürme und suchte immer wieder die Nähe zum Publikum. Das Infield verwandelte sich in eine einzige Rock’n’Roll-Party. Energiegeladener hätte der Abend kaum werden können.
Der Thrash-Metal-Gigant aus Essen Kreator lieferte eine Show der Extraklasse ab. Gewaltige Pyroeffekte, eine beeindruckende Lichtshow und ein perfekt abgestimmtes Bühnenbild begleiteten Klassiker und Songs des aktuellen Albums. Für einen der emotionalsten Momente des gesamten Festivals sorgte jedoch der Überraschungsgast: Britta Görtz von Hiraes betrat die Bühne und sang gemeinsam mit Mille Petrozza. Das gemeinsame Duett wurde vom Publikum frenetisch gefeiert und entwickelte sich zu einem der unvergesslichen Höhepunkte des ROCKHARZ 2025. Kreator bewiesen eindrucksvoll, weshalb sie seit Jahrzehnten zur absoluten Weltspitze des Thrash Metal gehören.
Wer nach diesem musikalischen Feuerwerk noch Kraft hatte, wurde bei Saint City Orchestra belohnt. Die Schweizer sorgten mit ihrer Mischung aus Irish Folk, Punk und Rock für einen fröhlichen Ausklang des Tages. Vor der Bühne wurde getanzt, gesungen und bis spät in die Nacht gefeiert. Die mitreißenden Melodien und der enge Kontakt zum Publikum machten den Auftritt zum perfekten Abschluss eines abwechslungsreichen Freitags. Müde, aber glücklich ging es schließlich zurück auf den Campingplatz – bereit für den letzten Festivaltag.
Samstag – 4. Juli 2026
Der letzte Festivaltag begann mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits lag bereits ein unvergessliches Festival hinter uns, andererseits wollte niemand daran denken, dass sich das ROCKHARZ langsam dem Ende zuneigte. Das Wetter zeigte sich erneut von seiner besten Seite und schon am Vormittag strömten die Besucher auf das Infield. Die Stimmung war gelöst, überall traf man bekannte Gesichter wieder und die Vorfreude auf den letzten Festivalmarathon war deutlich zu spüren. Musikalisch hatte der Samstag noch einmal alles zu bieten – von Thrash und Death Metal über Power Metal bis hin zu Folk, Black Metal und einer großen Abschlussparty.
Den Auftakt machten die Hannoversche Band Pinhead, die ohne lange Anlaufzeit ordentlich Druck aufbauten. Mit ehrlichem Alternative Metal und viel Spielfreude gelang es ihnen schnell, die ersten Zuschauer vor die Bühne zu locken. Die Band nutzte die frühe Spielzeit, um das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Trotz der noch entspannten Atmosphäre wurde bereits kräftig mitgenickt und applaudiert. Ein gelungener Start in den letzten Festivaltag.
Drone legten die Messlatte direkt etwas höher. Fette Gitarrenriffs, groovende Rhythmen und eine gehörige Portion Härte bestimmten ihren Auftritt. Die Band wirkte bestens eingespielt und überzeugte mit einer energiegeladenen Performance. Vor der Bühne wurde bereits intensiv gebangt und die ersten Circle Pits des Tages ließen nicht lange auf sich warten. Der starker Auftritt der Celleaner brachten die letzten Schlafmützen ins Infield.
Mit Tailgunner hielt klassischer britischer Heavy Metal Einzug auf dem ROCKHARZ. Die jungen Musiker präsentierten sich mit viel Leidenschaft und offensichtlicher Liebe zu den großen Vorbildern der New Wave of British Heavy Metal. Zweistimmige Gitarren, hohe Gesangslinien und eingängige Refrains sorgten für beste Stimmung. Besonders Fans des traditionellen Metal freuten sich über das neue Album der Briten „Midnight Blitz“. Ein sympathischer und überzeugender Auftritt.
Nun wurde es deutlich extremer mit der Präsentation des neuen Albums „we are the gods that tear ourselves apart“ von Necrotted. Die Jungs aus Baden-Würtemberg lieferten modernen Death Metal mit kompromissloser Härte und beeindruckender Präzision. Blastbeats, tiefe Growls und messerscharfe Gitarrenriffs bestimmten das Geschehen. Das Publikum reagierte mit heftigen Moshpits und ausdauerndem Headbanging. Für Freunde der härteren Gangart war dieser Auftritt ein absolutes Highlight des Nachmittags.
Nach so viel Brutalität sorgten Tungsten für melodische Abwechslung. Die Schweden präsentierten modernen Power Metal mit eingängigen Refrains und viel positiver Energie. Keyboardmelodien, kraftvolle Gitarren und eine starke Gesangsleistung machten den Auftritt zu einem echten Stimmungsaufheller. Das Publikum ging sofort mit und feierte die Band lautstark. Ein sympathischer Auftritt mit viel Charme.
Die brasilianischen Death-Metal-Newcomerinnen von Crypta bewiesen eindrucksvoll, warum sie derzeit weltweit für Aufsehen sorgen. Technisch anspruchsvolle Songs trafen auf enorme Spielfreude und beeindruckende Präzision. Besonders die schnellen Gitarrenläufe und das kraftvolle Schlagzeug sorgten für Begeisterung. Vor der Bühne herrschte durchgehend Bewegung, während die Band kompromisslos ihren Stil durchzog. Einer der stärksten Extreme-Metal-Auftritte des Festivals.
Mit Artillery übernahmen echte Thrash-Metal-Veteranen die Bühne. Die Dänen überzeugten mit klassischen Riffs, hohem Tempo und einer großen Portion Erfahrung. Zahlreiche Fans feierten die Songs der Band lautstark und sorgten für eine fantastische Atmosphäre. Die Mischung aus alten Klassikern und neueren Stücken funktionierte hervorragend. Ein Auftritt ganz im Zeichen des traditionellen Thrash Metals.
Die Schweden Majestica brachten anschließend skandinavischen Power Metal auf die Bühne. Frontmann Tommy ReinXeed begeisterte mit seiner außergewöhnlichen Stimme und virtuosem Gitarrenspiel. Schnelle Melodien, hymnische Refrains und jede Menge gute Laune machten den Auftritt zu einem echten Publikumsmagneten. Zahlreiche Fans sangen begeistert mit und verwandelten das Infield in einen großen Chor. Ein rundum gelungener Festivalauftritt.
Mit Finntroll wurde das ROCKHARZ endgültig zur Folk-Metal-Party. Polka-Rhythmen, harte Gitarren und finnischer Humppa verschmolzen zu einer einzigartigen Mischung. Vor der Bühne wurde ausgelassen getanzt, gehüpft und gefeiert. Die Band bewies einmal mehr, warum sie seit vielen Jahren zu den beliebtesten Vertretern ihres Genres zählt. Kaum jemand konnte sich der mitreißenden Stimmung entziehen.
Danko Jones zeigten eindrucksvoll, dass schnörkelloser Rock’n’Roll nichts von seiner Faszination verloren hat. Mit trockenem Humor führte der Frontmann durch das Programm und überzeugte ebenso wie seine Mitmusiker mit einer energiegeladenen Performance. Harte Riffs, eingängige Hooks und viel Spielfreude machten den Auftritt zu einem der lockersten des Tages. Das Publikum feierte jede Minute.
Als Metal Queen Doro die Bühne betrat, wurde sie vom Publikum mit großem Jubel empfangen. Mit ihrer sympathischen Art und ihrer unverwechselbaren Stimme präsentierte sie Klassiker ihrer langen Karriere sowie Songs aus jüngerer Zeit. Immer wieder bedankte sie sich bei den Fans und suchte den direkten Kontakt zum Publikum. Zahlreiche Mitsingmomente sorgten für Gänsehaut. Ein emotionaler Auftritt einer der wichtigsten Persönlichkeiten des Heavy Metal.
Nach so viel Pathos war es Zeit für gepflegten Wahnsinn. Knorkator lieferten eine Show, die musikalische Qualität und völligen Irrsinn perfekt miteinander verband. Schräge Einlagen, spontane Aktionen und der unverwechselbare Humor der Band brachten das gesamte Infield zum Lachen. Trotzdem überzeugte die Berliner Formation auch musikalisch auf ganzer Linie. Unterhaltung auf höchstem Niveau – typisch Knorkator.
Mit Emperor wurde es am Abend noch einmal majestätisch und düster. Die norwegischen Black-Metal-Legenden erschufen eine intensive Atmosphäre aus rasenden Blastbeats, epischen Keyboardflächen und frostigen Gitarrenriffs. Das Publikum lauschte fast ehrfürchtig dieser außergewöhnlichen Darbietung. Die perfekte Lichtinszenierung unterstrich die monumentale Wirkung des Auftritts. Ein seltenes und beeindruckendes Konzerterlebnis.
Den krönenden Abschluss des ROCKHARZ 2025 lieferten Feuerschwanz. Vom ersten Song an verwandelte sich das gesamte Infield in eine riesige Party. Mittelalterliche Klänge trafen auf modernen Metal, humorvolle Texte auf gewaltige Mitsingrefrains. Flammen, Konfetti und eine spektakuläre Bühnenshow sorgten dafür, dass zum Finale noch einmal alle Reserven mobilisiert wurden. Als die letzten Töne verklangen, verabschiedete sich das Publikum mit lang anhaltendem Applaus von einer weiteren unvergesslichen Ausgabe des ROCKHARZ Festivals. Müde, glücklich und mit unzähligen Erinnerungen im Gepäck traten die Besucher schließlich den Heimweg an – verbunden mit der Gewissheit: Im nächsten Jahr sehen wir uns wieder am Fuße der Teufelsmauer.
Text: Ainhoa Monreal Álvarez