Samstag, der 29. August 2025, fühlte sich im Olympiapark München an wie ein einziger Tag im Paralleluniversum: Musik, Kunst, Lifestyle und Popkultur verschmolzen beim Superbloom Festival zu einem Kaleidoskop der Eindrücke. Während sich die Sonne über den ikonischen Dächern des Olympiastadions spiegelte, strömten Besucher durch ein Gelände, das mehr war als nur eine Festivalwiese – es war Erlebniswelt, Spielplatz und kreativer Marktplatz zugleich.
Wer das Superbloom schon kannte, dem war genau wegen der konsequent-bunten Mischung vor Ort – wer als Neuling hier war, der musste erstmal alles auf sich wirken lassen: große internationale Headliner neben spannenden Newcomern, dazu Erlebnisflächen wie der „Superbrain“-Bereich mit Talks und Panels, Kunstinstallationen und Food-Courts, die so abwechslungsreich waren wie ein Instagram-Feed im Turbo-Scroll-Modus. Anders als viele Festivals setzte Superbloom nicht allein auf Musik, sondern auf eine multisensorische Überladung – ein Ort, an dem man vom Main Act direkt in einen Nachhaltigkeits-Talk stolperte oder zwischen zwei Konzerten auf einer Picknickdecke am See landete.
Die Stimmung war mit sommerlichen 22 Grad durchschnittlich und einem Sonne-Wolken-Mix gut gelaunt und ausgelassen, immerhin blieb es wieder erwarten fast die ganze Zeit trocken. Lediglich ein dicker Regenguss sorgte am frühen Abend für viele begossene Pudel, vor allem während des Auftritts von Alligatoah. Ansonsten: Menschen in bunten Outfits, jede Menge Social-Media-Momente und eine Soundkulisse, die von Pop-Hymnen bis zu druckvollem Elektro alles bot. Das Publikum zeigte sich mit einer herzlichen Offenheit – ob eingefleischter Festivalveteran oder Erstbesucherin, alle feierten nebeneinander, als sei man längst eine eingeschworene Gemeinschaft.
Cat Burns + $oho Bani
Kein Schnickschnack, nur pure Präsenz: Cat Burns begeisterte auf der Olympic Stage mit eine intimer Atmosphäre. Mit ihrer klaren Stimme, ehrlicher Ausstrahlung und dieser unaufgeregten Stärke schaffte sie es, eine Festivalcrowd in einen fast Wohnzimmer-artigen Moment zu verwandeln. Besonders machte sie ihre Fähigkeit, große Emotionen mit minimalistischer Eleganz zu transportieren. Ihr Auftritt war ein stilles Highlight des Tages, das zeigte, wie berührend Zurückhaltung auf einer großen Bühne wirken kann.
$oho Bani brachte die Super Stage zum Beben und bewies, warum er aktuell zu den spannendsten Stimmen der neuen Rap-Generation gehört. Mit seiner Mischung aus straighter Attitüde, melodischem Flow und dieser ungekünstelten Berliner Coolness zog er das Publikum sofort in seinen Bann. Bani verband mühelos Street-Vibes mit popkulturellem Feingefühl und schuf dabei eine eigene Ästhetik, die längst über den Untergrund hinausstrahlte. Zwischen lässigen Moves, intensiver Präsenz und einem Sound, der urbanen Lifestyle atmete, wirkte sein Auftritt wie eine Live-Extension seines Feeds – roh, stylish und verdammt nahbar. $oho Bani ist nicht nur ein Hype, sondern ein Künstler, der Festivalbühnen mit Leichtigkeit füllt.
Siegfried & Joy + Jelly Roll
Dass Festival-Magie nicht nur musikalisch, sondern auch wortwörtlich funktionieren kann, zeigten die Berliner Magier Siegfried & Joy auf der NeoNeo Stage und lieferten ihre beliebte schrille Mischung aus Zaubershow, Comedy und Party-Exzess. Mit glitzernden Outfits, schrägem Humor und jeder Menge Selbstironie rissen sie die zahlreichen Besucher aus dem Konzertmodus und machten ihren Auftritt zu einem spektakulären Entertainment-Feuerwerk. Hier gab es klassische Magie-Tricks in einem popkulturellen Happening kombiniert, das genauso Instagram-tauglich wie live überwältigend wirkte.
Mit einer Mischung aus Southern-Charme, Rap-Attitüde und ehrlicher Emotionalität brachte Jerry Roll die Olympic Stage zum Leuchten. Der US-Künstler überzeugte mit einer Präsenz, die gleichzeitig kraftvoll und verletzlich wirkte, und schaffte es, große Festivalmomente mit sehr persönlichen Geschichten zu verbinden. Jelly Rolls Authentizität war besonders – ein Künstler, der ohne Filter auftrat und damit eine Nähe schuf, die in dieser Größe selten ist. Sein Set war ein eindrucksvolles Highlight des Tages, roh, berührend und absolut sehenswert.
James Hype + Omar Rudberg
Der Auftritt von James Hype war ein pulsierendes Highlight des Tages und bewies, dass elektronische Musik auf einer Festivalbühne genauso monumental wirken kann wie jede Rock-Show. Die Super Stage avancierte flink in eine gigantische Open-Air-Clubnacht. Mit seinem explosiven Mix aus House, Basslines und technisch messerscharfen Übergängen katapultierte er die Menge in einen kollektiven Rausch. Hype lieferte nicht einfach nur sein perfekt koordiniertes Handwerk ab, sondern inszenierte alles als spektakuläre Live-Performance – voller Energie, Dynamik und absoluter Präzision.
Als nächstes gab es Pop-Glamour aus Schweden: Netflix-Liebling Omar Rudberg (Young Royals) überzeugte auf der NeoNeo Stage mit charismatischer Bühnenpräsenz, tanzbarem Sound und einer Attitüde, die zwischen Boyband-Glow und eigenständigem Popstar perfekt balancierte. Für die Fans gab es internationales Star-Appeal mit einer nahbaren, charmanten Energie, was sofort Funken ins Publikum überspringen ließ. Rudbergs Set war ein stylishes Highlight des Tages – glänzend, emotional und absolut festivalreif.
Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys
Ausnahmezustand vor der Olympic Stage und rundherum. Dieser Auftritt war einer der absoluten Sweet Spots des ersten Festivaltages, denn die Italo-Schlager-Musiker Roy Bianco und seine Abbrunzati Boys waren da. Sie lieferten ein spritziges Swing-Spektakel, das sofort gute Laune verbreitete und die Festivalmeute zum Tanzen brachte. Zu sehen waren jede Menge bunte Schilder in der Luft und Schlagerstrudel in der Menge. Die Band mixte elegante Klarinettengesänge und groovende Rhythmen zu einem nostalgischen wie zugleich erfrischend modernen Sound – wie ein Aperol Spritz in Musikform. Mit viralen Hits in Social Media und ausverkauften Touren haben sie sich eine treue Fangemeinde erarbeitet, die ausgelassen mitklatschte und textsicher jede Strophe intonierte. Live beeindruckte das Ensemble durch Dankbarkeit, Charme und viel Spielfreude, präzise Musikalität und eine perfekte Portion Unterhaltung, die nicht nach Bühnenklischee klang. Wer dachte, Italo-Schlager sei altbacken, wurde hier überzeugt: Roy Bianco & die Abbrunzati Boys begeisterten richtig.
Don West + Alligatoah
Auf der NeoNeo Stage sorgte Soul-Musiker Don West für eine überraschend intime Atmosphäre mitten im bunten Großstadttrubel. Mit seinem Mix aus lässigem Indie-Pop und emotionalem Storytelling zog er die Zuhörer sofort in seinen Bann. Don West transportierte große Gefühle mit einer unaufdringlichen Coolness, die sowohl nahbar als auch stylish wirkte. Sein Auftritt war ein stilles, aber strahlendes Highlight des Tages – ehrlich, modern und absolut festivalwürdig.
Irgendwo zwischen Theater, Satire und Rap-Spektakel siedelte sich der folgende Auftritt an. Der Allround-Musiker und -Entertainer Alligatoah, der seit jeher dafür bekannt ist, Genres und Rollenbilder ironisch zu zerlegen, präsentierte sich als scharfzüngiger Erzähler mit großem Hang zur Inszenierung. Das Publikum wurde mit pointiertem Humor zum Lachen zu gebracht und es im nächsten Moment mit klugen, gesellschaftskritischen Momenten innehalten zu lassen. Die Bühne wurde bei ihm nicht einfach bespielt, sondern in ein absurdes Bühnenbild verwandelt, das perfekt zu seinem Anspruch passt, Pop nicht nur zu konsumieren, sondern zu hinterfragen. Die Crowd feierte jede Wendung, jeden sarkastischen Seitenhieb und jede überdrehte Pose, als würde sie Teil einer Live-Performance zwischen Kabarett und Konzert sein. Sein Auftritt war ein Beweis dafür, dass Alligatoah live mehr ist als Musik – er ist ein Gesamtkunstwerk, das Festivalbühnen in Theaterhallen verwandelt.
Nelly Furtado + Raye
2007, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, erlitt Nelly Furtado einen Nervenzusammenbruch auf der Bühne, eine Pause wurde notwendig. Nun ist sie zurück, verändert, optisch, aber innerlich zufrieden und gut gelaunt. Die portugiesisch-kanadische Sängerin, Songwriterin und Grammy-Preisträgerin brachte ihre ganze Erfahrung und Weltklasse-Präsenz auf die Bühne und wirkte dabei zugleich glamourös und nahbar. Ihre besondere Fähigkeit, spielend zwischen mitreißender Dance-Energie und tief emotionalen Momenten zu wechseln, wirkte nie konstruiert. Furtados warme Stimme, die seit Jahrzehnten die Poplandschaft prägt, hatte live nichts an Kraft und Wiedererkennbarkeit eingebüßt. Während die riesige Crowd zwischen Euphorie und Gänsehaut schwankte, zeigte sich, dass Nelly Furtado nicht nur ein Star vergangener Jahre ist, sondern eine Künstlerin, die 2025 immer noch die Relevanz und Strahlkraft eines Headliners verkörperte. Mit ihrer sympathischen und selbstbewussten Ausstrahlung verband sie Generationen von Fans – vom Teenager bis zu denen, die sie seit ihren frühen Hits begleiten. Die Show war nicht nur ein Rückblick, sondern ein zeitloses Statement einer Musikerin, die sich immer wieder neu erfindet. Ihr Auftritt war ein glänzender Beweis dafür, dass Pop-Größen mit echter Persönlichkeit Festivalgeschichte schreiben können.
Als eine der Headlinerinnen des ersten Tages setzte Raye auf der Super Stage ein Ausrufezeichen, das weit über den Olympiapark hinaus hallte. Die britische R&B- und Pop-Sängerin und Songwriterin brachte eine Performance, die gleichzeitig hochglanzpoliert und emotional entwaffnend war. Besonders machte sie ihre Fähigkeit, persönliche Verletzlichkeit mit der Selbstsicherheit einer internationalen Ausnahmekünstlerin zu verweben. Ihre Stimme wirkte live noch eindringlicher, kraftvoll und doch voller Nuancen, die jede Zeile wie ein Bekenntnis klingen ließen. Dazu kam eine Bühnenpräsenz, die zwischen Diva-Momenten und bodenständiger Nähe changierte – ein Spagat, den nur wenige so souverän meistern. Die Crowd hing förmlich an jedem Ton, tanzte ekstatisch und lauschte gebannt, wenn Raye die Intimität suchte. Ihr Auftritt war ein emotionales Highlight und ein Beweis dafür, dass Raye längst zur Speerspitze moderner Pop-Ikonen gehört.
Post Malone
Party, Pathos und pures Entertainment – Der US-amerikanische Sänger, Rapper, Musikproduzent und Schauspieler Post Malone lieferte auf der Olympic Stage einen energiegeladenen Headliner-Auftritt, der wirklich alle Facetten seiner Kunst zeigte. Posti brachte diese lässige Rockstar-Aura mit, die zwischen Bierdose und Melancholie oszillierte. Besonders machte ihn seine Fähigkeit, scheinbare Gegensätze zu vereinen – ein Künstler, der zugleich Stadion-tauglich und verletzlich intim wirkte. Seine Stimme, rau und doch gefühlvoll, verwandelte den Olympiapark in einen überdimensionalen Club, in dem tausende Menschen jede Silbe mitsangen. Post Malone verstand es, den großen Popstar zu geben, ohne die Bodenhaftung zu verlieren – ein Typ, der trotz globalem Ruhm wie der Kumpel von nebenan wirkte. Die visuelle Inszenierung mit Licht, Pyro und Screens wirkte dabei nie überladen, sondern unterstrich seine Songs und Persönlichkeit perfekt. Die Crowd feierte ekstatisch, ließ sich aber auch von seinen ruhigen Momenten mitreißen, was den Abend zu einer emotionalen Achterbahnfahrt machte. Sein Auftritt war ein würdiger Abschluss des ersten Tages und zeigte mehr als deutlich, dass Post Malone längst in der Liga der ganz großen Festival-Headliner angekommen ist.
Dieser erste Festivaltag zeigte, warum das Superbloom sich innerhalb weniger Jahre fest in der europäischen Festivallandschaft etabliert hatte: Es war nicht nur ein Konzertmarathon, sondern ein urbanes Kulturereignis, das München für ein Wochenende zum vibrierenden Zentrum der Musik- und Kreativszene machte.




























































































































































































