Von den 3.500 Festivalgästen, soviel ist sicher, wissen die Meisten, worauf sie sich einlassen. Schließlich ist das Rolling Stone Beach Festival ein Festival der Musikliebhaber. Vermutlich fährt hier niemand auch „blauen Dunst“ hin, sondern ist bestens mit dem Line-up vertraut und vorbereitet. Nicht zuletzt durch die Playlist bei spotify ist das auch kein größeres Problem. Rolling Stone Magazin Deutschland und FKP Scorpio boten auch in diesem Jahr wieder eine spannende, abwechslungsreiche Mischung, die wahrscheinlich kaum Unzufriedenheit auslösen konnte.
Freitag
Begleitet von freundlichen Begrüßungen durch Ordnungsdienst- und Securitymitarbeiter versammeln sich alle am Freitag gut gelaunt im Zelt vor der Hauptbühne, um den netten Schweden von Friska Viljor bei ihrem mittlerweile 20 Jahre umfassenden Repertoire zu lauschen. Sehr gelungener Auftakt! Ungewohnt: ARTE ist in diesem Jahr Partner und überträgt im Livestream und gibt die Möglichkeit die Headliner in der Mediathek zu sehen. Mit Night Moves aus Minneapolis geht es anschließend im Baltic Saal weiter und wir werden mit Indie Rock irgendwo zwischen Americana und Pop versorgt.
Es geht im Zelt weiter mit Indie aus USA und zwar nun mit We Are Scientists aus New York. Sehr energetisch peitscht die Band uns durch Stile wie New Wave und Shoegaze. My Ugly Clementine aus Wien setzt im Baltic einen Kontrapunkt und lässt niemanden stillstehen. Melodisch, aber rau genug für Garage Rock und trotzdem tanzbar. Das muss Indie Rock erst einmal hinbekommen!
Ein kurzer Abstecher in die Almhütte ist noch drin um Dubinski aus Schottland bei ihrer Mischung aus Synth-Rock, Britpop und Punk zu erleben. Die Alm kocht! Leider zu kurz, aber wir nähern uns einem der Höhepunkte des Tages: Chuck Prophet & His Cumbia Shoes Der Crossover aus Country, Rock, Reggae, Salsa und Tex-Mex begeistert und die Energie sprüht nur so von der Bühne!
Billy Nomates aus Bristol mit ihrem Elektropop, begleitet ausschließlich von Drums und Samples, gelingt es, die Bühne im Baltic Saal Dank ihrer Bühnenpräsenz auszufüllen. Beschrieben wird ihr Stil von ihr selbst auch als No-Wave, aber was sind schon diese Schubladen. Beim Konzert der „Rebellen“ vom Black Rebel Motorcycle Club schmunzeln sich anfangs die Fotografen im Graben an. Das wenige Licht schafft zwar die angemessene Atmosphäre für den rauen Wüstensound der Kalifornier aber fotografieren… Egal, darum geht es nicht. Der Gig trifft voll ins Schwarze und entlässt das Festivalvolk zufrieden in die erste Nachtruhe. Moment! Natürlich nicht alle. Wer noch nicht genug hat, kann sich bis 4:00 Uhr auf der Aftershowparty austoben.
Samstag
Traditionell beginnt für uns der Samstag mit der Rolling Stone Talk Runde. Chefredakteur Sebastian Zabel, Maik Brüggemeyer, Birgit Fuss, Arne Willander, Sassan Niassieri vom Rolling Stone und Stephan Thanscheidt von FKP Scorpio fachsimpeln über die Highlights des Jahres in Bezug auf Neuerscheinungen, Konzerte und persönliche Vorlieben in diesen Bereichen. Stephan Thanscheidt berichtet von der aktuellen Lage im Konzertgeschäft und resümiert: „Nichts wird leichter!“. Aber – ganz offensichtlich ist er niemand, der verzagt. Menschen wie ihm haben wir zu verdanken, dass die wunderbare Welt der Livemusik sich weiterdreht und auch das ist eine Wahrheit, die er verkündet: „Keine künstliche Intelligenz kann das Livemusikerlebnis ersetzen!“ Gerade das Rolling Stone Beach ist allen eine Herzensangelegenheit und es gibt das klare Bekenntnis trotz aller Widrigkeiten weitere Auflagen zu gestalten und die Preise möglichst stabil zu halten.
Heinz Strunk liest anschließend im Möwenbräu Saal aus seinem neuesten Kurzgeschichtenband „Kein Geld, kein Glück, kein Sprit“ Der trockene Humor der teils umwerfend lustigen, bisweilen tragikkomischen Geschichten verfängt und eigentlich kann man kaum aufhören, ihm zuzuhören. Die Londonerin Jade Bird bringt uns heute musikalisch mit ihrem Folkpop in den Tag. Der Baltic Saal ist gut gefüllt, von Popsongs über Balladen ist alles dabei. Gelungene Einstimmung auf den Tag!
MRCY aus Brixton liefert feinsten Soul. Kein wenig retro oder angestaubt. Im doch recht kalten Zelt (draußen sind immerhin -2 Grad) wird einem dabei warm ums Herz. Hamish Hawk aus Edinburgh erinnert im Baltic an guten alten New Wave Style; großartig mit seinem Bariton! Jon Spencer hat 2022 seine Jon Spencer Blues Explosion aufgelöst und sich 2024 mit der jungen Rhythmusgruppe der Punks von The Bobby Lees zusammengetan. Mit diesem Ultra-Powertrio beweist er, dass Bluesrock in dieser Intensität einfach immer wieder fasziniert. Zwischen die Musiker passt kein Blatt Papier. Harmonie wie in einem Zahnradgetriebe.
Das Soloprojekt des Leipziger Musikers Florian Sievers nennt sich Das Paradies. Eingesprungen für Stella Bridie beeindruckt er in der Almhütte mit geistreichen Texten und unfassbar komplizierten Soundspielereien. Parallel spielt im Baltic Saal Joan As A Police Woman. Die musikalische Vielseitigkeit von Joan Wassers aus Maine, sie war vom Punk bis zur Orchesterviolinistin unterwegs, finden sich in ihrem Soulpop wieder. Gekrönt von ihrer bezaubernder Stimme ist das Konzept rund. Bob Mould, der im letzten Jahr solo im Baltic auftrat, fegt heute mit Mitte 60 im Power Trio über die Zeltbühne als gäbe es kein Morgen. Wo nimmt der Mann die Energie her. Mehr Druck geht nicht. Rock vom Feinsten.
Das wunderbar psychedelische Postrock Abschlusskonzert von Mogwai aus Schottland erzeugt eine grandiose Atmosphäre im Zelt und lässt den Abschied schwer werden. Mit den Klängen von Auto Rock vom 2006er Album im Ohr laufen wir durch die frostige Nacht und sind erfüllt mit den musikalischen Eindrücken der letzten zwei Tage und Dankbarkeit. Danke Rolling Stone, danke FKP Scorpio.























































































































































































