Rockharz Open Air 2025 – Freitag + Samstag


Rockharz Open Air 2025 – Freitag + Samstag
Unsere Highlights der letzten beiden Festivaltage beim Rockharz Open Air 2025. (Bild: Birger Treimer)

Nach einem stürmischen Start in die Festivalwoche zeigte sich der Harz am Freitag, den 4. Juli, endlich wieder von seiner freundlichen Seite: 24 Grad, leichter Wind, strahlender Himmel – perfektes Wetter für die große Bühne und noch größere Riffs.

Beim Rockharz Open Air 2025 sorgten rund 600 bis 700 Helfer hinter den Kulissen – darunter Crew-Mitglieder, Zulieferer, Partnerfirmen und Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Malteser – für einen reibungslosen Ablauf. Für die Infrastruktur standen über 85 Frischwasser-Zapfstellen sowie 1100 mobile Toiletten und zusätzlich mehr als 250 kostenfreie Spültoiletten zur Verfügung. Das neue Anreise- und Verkehrskonzept bewährte sich: Laut Gästefeedback betrug die durchschnittliche Wartezeit bis zum Erreichen des Campingplatzes nur 30 bis 50 Minuten. Ein besonderes Highlight: Acht Paare gaben sich am Donnerstag und Freitag direkt auf dem Festivalvorplatz das Ja-Wort.

So war der Freitag

Die Stimmung auf dem Flugplatz in Ballenstedt war entsprechend euphorisch, durchzogen von Sonnencreme, Bierdunst und der kollektiven Vorfreude auf Schwergewichte wie Powerwolf, Solstafir, Gloryhammer, Cradle of Filth, Deserted Fear oder Overkill die mit bombastischem Sound und fanfreundlichen Setlists ablieferten. Der Tag war ein Festivalhöhepunkt für Power- und Melodic-Death-Fans – mit epischen Chören, fliegenden Mähnen und Moshpits im Staub, der langsam dem Abendrot wich.

Harpyie + Aephanemer

Harpyie lieferten zu unserem Tagesstart eine mitreißende Folk-Metal-Show ab, die zwischen Flötenzauber, Stromgitarren und Festivalchaos perfekt balancierte. Die Ostwestfalen, bekannt für ihren Mix aus Mittelalterinstrumenten, Modern Metal und sozialkritischen Texten, zogen ein begeistertes Publikum in ihren Bann. Mit Chartplatzierungen und stetig wachsender Fanbase haben sich Harpyie längst aus dem Underground emporgespielt – und bewiesen in Ballenstedt einmal mehr, dass sie auf die große Bühne gehören. Eine energiegeladene, bunte und gleichzeitig tiefgründige Show, die zeigte: Folk Metal kann mehr als nur Dudelsack und Trinklieder.

Weiter ging es mit Aephanemer, die eine ordentliche Portion französischen Melodic Death Metal mit symphonischem Einschlag auf die Bühne brachten und für fliegende Mähnen sorgten. Die Band aus Toulouse überzeugt seit Jahren mit einem einzigartigen Sound, der epische Orchestrierungen mit gnadenlosen Riffs und Blastbeats verbindet – live ein echtes Erlebnis. Sängerin und Gitarristin Marion Bascoul führte das Publikum mit kraftvoller Stimme und charismatischer Präsenz durch ein tightes, dynamisches Set. Aephanemer zeigten sich als absolute Ausnahmeerscheinung im Genre – technisch brillant, atmosphärisch dicht und auf der Bühne schlicht mitreißend.

Deserted Fear + Vader

Kein Schnickschnack, kein Firlefanz – es folgte ein ehrlicher, ehrfurchtgebietender Death Metal vom Feinsten. Deserted Fear sorgten für einen amtlichen Abriss, der nach verbrannter Erde und ordentlich Thrash-getränktem Death Metal roch. Die Thüringer Death-Metal-Institution, seit Jahren fester Bestandteil der europäischen Szene, spielte sich mit unbändiger Energie und präzisem Geballer durch eine gut gewählte Setlist. Was die Jungs ausmacht, ist ihr Gespür für eingängige Härte, gepaart mit einem Sound, der sowohl oldschool brettert als auch modern drückt. Trotz früher Uhrzeit war die Crowd hellwach – Circle Pits, Pommesgabeln und eine Wand aus treibenden Riffs inklusive.

Vader walzten alles nieder, was nicht rechtzeitig das Bier festhielt – und lieferten eine Lehrstunde in Sachen polnischer Death-Thrash-Präzision. Seit den späten 80ern aktiv, zählen sie zu den langlebigsten und kompromisslosesten Exporten Osteuropas in Sachen Extrem-Metal. Mit einer Setlist voller Nackenbrecher feuerten sie tight, kalt und ohne Schnörkel durch ihr Set – keine Gnade, nur Blastbeats. Frontmann Piotr Wiwczarek growlte mit ungebrochener Autorität und ließ dabei die Gitarren kreisen wie ein Kreissägeblatt im Endzeitmodus. Eine Show, so erbarmungslos wie erwartet – und genau deshalb absolut sehenswert für alle, die Metal ohne Weichzeichner mögen.

Draconian + Any Given Day

Draconian brauchten leider ganze vier Anläufe in den vergangene Jahren, um endlich vor dem Rockharz-Punlikum zu stehen – und machten den lang erwarteten Moment zu einem intensiven Erlebnis. Die schwedischen Gothic-Doom-Meister zelebrierten ihre melancholisch-düsteren Klangwelten mit einer fast zerbrechlichen Wucht, getragen von der betörenden Stimme von Lisa Johansson und den tief grollenden Growls von Anders Jacobsson. Diese Show tauchte das Gelände in einen emotionalen Nebel aus Schwermut, Eleganz und doomiger Grandezza. Ein seltener, atmosphärisch dichter Auftritt, der sich vom üblichen Festivaldonner wohltuend abhob – und das lange Warten belohnte.

Mit einer modernen Metalcore-Massiveinheit kamen danach Any Given Day auf die Bühne, die zwischen Breakdowns, Melodie und Moshpit-Ekstase keinen Wunsch offenließen. Die Gelsenkirchener, die sich mit Alben wie “Overpower” und “Limitless” längst einen Namen im internationalen Core-Zirkus gemacht haben, überzeugten mit einem druckvollen Sound und einer enormen Bühnenpräsenz. Frontmann Dennis Diehl pendelte souverän zwischen brutalen Shouts und glasklarem Clean-Gesang, während die Gitarrenriffs messerscharf durch die Harzer Luft schnitten. Ihre Hits verwandelten das Gelände in ein Testgelände für Nackenmuskulatur und Crowdsurfer. Ein Auftritt, der zeigte: Metalcore made in Germany kann auch international ganz oben mitmischen – kompromisslos, emotional und absolut energiegeladen.

Die Kassierer + Gloryhammer

Eine unnachahmliche Mischung aus Punk-Wahnsinn, satirischem Humor und derben Beats brachten danach Die Kassier auf die Bühne – und bewiesen, dass sie seit Jahrzehnten Kultstatus in der deutschen Szene genießen. Ihre Hits zündeten ein Bauernhof-Theater deluxe, das zwischen provokanten Ansagen und absurder Performance pendelte. Die Herren um Wölfi verstanden es meisterhaft, ihre tiefschwarze Comedy in eine musikalische Trashhymne zu packen, bei der niemand stillstehen konnte – Campground-Pogo inklusive. Ein geradezu anarchischer, lautstarker Spaß, der zeigte: Wer Punk mit Zynismus und Lokalpatriotismus sucht, kommt an ihnen nicht vorbei.

Gloryhammer kamen danach mit einem bombastisches Power-Metal-Spektakel and en Start, das irgendwo zwischen Sci-Fi-Operette, Ritter-Epos und Festivalparty angesiedelt war. Mit ihren Songs zündete die Truppe um Sänger Sozos Michael eine Show, die gleichermaßen zum Headbangen wie zum Schmunzeln einlud. Die Band hat sich mit ihren epischen Konzeptalben und einer ordentlichen Portion Selbstironie eine treue Fangemeinde erspielt – und live verwandeln sie jedes Set in eine galaktische Schlacht mit Synthie-Glanz und Rüstungsblitz. Ein herrlich überzogenes, musikalisch tightes Fantasy-Feuerwerk, das genau weiß, wie viel Spaß Power Metal machen kann, wenn man ihn nicht zu ernst nimmt.

Cradle of Filth + Mono Inc.

Cradle of Filth entfachten ein schwarzromantisches Inferno aus düsterem Symphonic-Black-Metal, bei dem theatralische Eleganz auf bestialische Wucht traf. Die britischen Gothic-Metal-Pioniere haben mit unzähligen Platin-Auszeichnungen und mitreißenden Live-Auftritten seit den 90ern eine Kultbasis aufgebaut. Sänger Dani Filth entführte mit seiner einzigartigen Falsettstimme in finstere Klangwelten, während orchestrale Keyboards, aggressive Riffs und präzise Drums eine dichte Atmosphäre webten. Die Show war ein opulentes Spektakel aus Nebel, rotem Licht und perfekt gesetzten Metal-Schauspielmomenten – unbedingt sehenswert für Freunde der finsteren Seite des Metal-Zirkus.

Mono Inc. bewiesen erneut, warum sie zu den pfälzischen Gothic-Rock-Powerhouses gehören, indem sie Atmosphäre mit Stadionreife kombinierten. Mit ihren Hymnen erzeugten sie eine dichte, fast schon cinematic Stimmung, die selbst bei Tageslicht Wirkung zeigte. Sänger Martin Engler führte mit charismatischer Stimme und packender Bühnenpräsenz durch ein Set, das sowohl Fans der dunklen Klänge als auch Neueinsteiger abholte. Ein mitreißender Auftritt, der zeigte: Kraftvoll, emotional und absolut sehenswert.

Powerwolf + Sólstafir

Powerwolf verwandelten das Infield in eine mittelalterliche Metalmesse – mit Chorälen, Glockengeläut und pompöser Bühnendekoration, als wären sie direkt aus einem gotischen Comic gestiegen. Die Wolfsfanatiker aus Saarbrücken sind bekannt für ihre hymnische Power Metal‑Wucht, die auf Alben wie “Preachers of the Night” und “Call of the Wild” Charts und Festivalbühnen stürmte – live klang das dann wie ein heiliges Massaker im Kuttenschick. Frontmann Attila Dorn führte die Meute mit opernreifer Stimme, grandiosem Entertainer‑Charme und sakral-ulkigen Ansagen durch ihre Hits. Eine Show‑Explosion aus Pyro, Pomp und Party, die nicht nur Metal-Herz, sondern auch Kehle und Klatschkraft bestens forderte – absolut must-see für alle, die Metal mit Kirchenwürze mögen.

Sólstafir beendeten das Rockharz am Freitag spätabends als letzter Tagesact mit einem hypnotisch-düsteren Soundteppich, der zwischen Post-Rock, Black Metal und nordischer Weite oszillierte. Die Isländer, deren Alben wie “Endless Twilight of Codependent Love” international gefeiert werden, verzauberten das Publikum mit majestätischen Gitarrenklängen, melancholischen Melodien und emotioneller Tiefsinnigkeit. Sänger Adalbjörn Tryggvason führte mit eindringlicher Stimme durch ein Set, das trotz der Stunde keine Müdigkeit aufkommen ließ – im Gegenteil: Jeder Ton wirkte wie ein letzter Cliffhanger. Ein Abschluss, so eindrucksvoll wie ein Sonnenaufgang nach einer langen Nacht – sphärisch, berührend und unvergesslich.

So war der Samstag

Samstag, der 5. Juli, ließ es dann nochmal ordentlich krachen – auch wettertechnisch: 26 Grad, etwas windig, Sonne-Wolken. Jeder war bereit für das große Finale, das mit Acts wie In Ex, ASP, Dragonforce, Combichrist, Grand Magus und dem famosen Abschluss durch Tragedy eine letzte Klangkeule schwang, die ihresgleichen sucht. Die Stimmung war ausgelassen, familiär und voller Festivalmüdigkeit mit Glückstränen – kein Wunder nach fünf Tagen Zeltplatzbraterei, Bierfrühstück und durchgegrölter Nächte. Die Pyro-Show von In Flames tauchte Ballenstedt in ein flammendes Abschiedsszenario, während sich Metalheads aus aller Welt ein letztes Mal in den Armen lagen. Fazit: Das Rockharz 2025 endete so, wie ein gutes Festival enden muss – laut, schweißnass, glücklich und mit dem dringenden Wunsch nach 2026 (übrigens vom 1. bis 4. Juli).

Robse + Bokassa

Los ging es für uns mit Robse, die das Rockharz zu einer hymnischen Melodic-Metal-Sause einluden, bei der Herz und Härte gleichermaßen mitliefen. Frontmann Robert “Robse” Pfluger zeigte, warum sein Solo-Projekt mit Hits wie „Cry for the Rainbow“ und „One More Day“ längst nicht mehr nur Insiderstatus hat. Seine klare Stimme, kombiniert mit orchestralem Bombast und emotionalen Refrains, erzeugte live eine beeindruckende Gänsehautatmosphäre. Ein Auftritt, der zeigte: Robse ist nicht nur ein Sänger, er ist eine mitreißende Metal-Erfahrung, die im Line-up des Rockharz perfekt glänzte.

Bokassa brachen wie ein Tornado durch die Thrash‑und‑Stoner‑Szene und bewiesen, dass norwegischer Sand im Getriebe eines traditionellen Metal‑Festivals wunderbar funkelt. Mit ihrem Selbstbewusstsein, das an Bands wie Mastodon erinnerte, rissen sie Moshpits auf, als hätten sie ein Album voller Adrenalin im Gepäck. Ihr verrücktes Zusammenspiel aus treibenden Riffs, eingängigen Hooks und ausgelassener Show-Performance machte die Show sowohl für Genre‑Nerds als auch für Festival‑Einsteiger zum Highlight. Ein unvorhersehbarer, energiegeladener Wirbelsturm – der beweist: Bokassa sind live ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.

Pro-Pain + Grand Magus

Pro-Pain brachten als nächster Act den Hardcore-Metal auf den Punkt: roh, direkt und kompromisslos. Mit über 30 Jahren Bandgeschichte, Alben wie “Foul Taste of Freedom” und unzähligen Clubschweiß-Schlachten im Gepäck, fegte das New Yorker Quartett wie ein Dampfhammer über das Infield. Die markante Reibeisen-Stimme von Gary Meskil und die brutalen Grooves lieferten den perfekten Soundtrack für Circle Pits und genreübergreifende Nackenmassage. Ein ehrlicher Abriss – ohne Schnörkel, aber mit maximaler Wucht.

Grand Magus ließen nachfolgend die Fahne des epischen Heavy Metal wehen – mit donnernden Riffs, wuchtigem Groove und Texten, in denen nordische Mythologie und Kriegerstolz aufeinandertreffen. Die Schweden um Frontmann Janne „JB“ Christoffersson lieferten mit Hits und Klassikern eine mitreißende Show, bei der jeder Refrain zum kollektiven Schlachtruf wurde. Ihr Sound – irgendwo zwischen Dio, Manowar und Doom – funktionierte live wie ein Runenritual mit Gitarrenverstärkern. Ein kraftvoller Auftritt, der Herz, Faust und Bart gleichzeitig erwärmte.

Visions of Atlantis + Avatatrium

Visions of Atlantis entführten die Besucher in eine bombastische Welt aus orchestralen Wellen, dramatischen Duetten und epischen Seefahrtsklängen. Die österreichische Symphonic-Metal-Formation begeisterte mit ihrem cineastischen Sound und der fesselnden Bühnenchemie zwischen Sängerin Clémentine Delauney und Michele Guaitoli. Viele der Songs riefen nicht nur Gänsehaut hervor, sondern auch ein Meer aus erhobenen Händen. Eine mitreißende Show voller Pathos, Fantasy und musikalischer Größe – wie ein Piratenabenteuer mit Nightwish-Attitüde.

Avatarium tauchten das Rockharz in schwere Melancholie und bluesgetränkten Doom – eine willkommene Verschnaufpause mit Tiefgang zwischen all dem Doublebass-Gewitter. Die Band um Sängerin Jennie-Ann Smith zeigte eindrucksvoll, wie man Doom mit emotionalem Gesang, Retro-Flair und progressiven Elementen auf die Bühne bringt. All ihre Songs entfalteten live eine dunkle Eleganz, die unter die Haut ging. Ein Auftritt wie ein schwerer Rotwein bei Nacht – bittersüß, betörend und absolut lohnenswert.

Combichrist + Mr. Hurley & die Pulveraffen

Combichrist verwandelten das Infield in einen pulsierenden, industrialgetränkten Tanz-Exorzismus – irgendwo zwischen Maschinenhalle, Metal-Rave und Endzeitstimmung. Mit ihrer treibenden Mischung aus Aggrotech, Electro-Industrial und knallhartem Metal-Sound sorgten Andy LaPlegua und Co. für ein energiegeladenes Chaos, bei dem kein Körper ruhig blieb. Die Setlist feuerte Knaller aus allen Rohren – begleitet von strobointensiver Lichtgewalt und schweißgetränkter Anarchie. Eine Show, die Grenzen sprengte und bewies: Combichrist sind der dystopische Soundtrack für alle, die ihre Apokalypse tanzend erleben wollen.

Mr. Hurley & die Pulveraffen enterten die Bühne mit der Energie eines rumbesoffenen Freibeuterchors und verwandelten das Infield kurzerhand in die „Tanzfläche Tortugas“. Mit ihrer mitreißenden Mischung aus Folk, Piraten-Rock und augenzwinkerndem Seemannshumor brachten sie selbst die letzten Landratten zum Mitgrölen und Mitschunkeln. Ihre Show zeigte einmal mehr, warum sie nicht nur auf Mittelaltermärkten, sondern auch auf Metal-Festivals regelmäßig abgefeiert werden. Eine Show voll Rumromantik und kollektiver Eskalation – absolut sehenswert für alle, die Metal auch mal mit Augenklappe feiern wollen.

Dragonforce + Abbath

DragonForce verwandelten das Infield in ein rasantes Spektakel mit guter Bühnenshow. Die britische Power-Metal-Formation um Herman Li und Marc Hudson ist seit ihrem Welthit „Through the Fire and Flames“ ein Garant für technisches Staunen und Mitsing-Melodien im Überformat. Live fegten sie mit neonbunten Visuals, Gameboy-Sounds und waghalsigen Gitarren-Duellen über die Bühne – ein Mix aus Power-Metal-Exzess und nerdigem Partyrausch. Wer hier nicht mit dem Kopf wippte, hatte vermutlich seine Finger in der Luftgitarre verknotet – episch, überdreht, absolut sehenswert.

Abbath schleuderte dem Rockharz eine gehörige Portion norwegische Finsternis entgegen – mit frostigem Black’n’Roll, martialischer Grimassenakrobatik und einer Präsenz, die irgendwo zwischen Eisgigant und Operndämon lag. Der frühere Immortal-Frontmann präsentierte sich mit seinem Solo-Projekt gewohnt roh, dreckig und tight, während seine Songs wie Lawinen durchs Publikum walzten. Abbath bewies einmal mehr, dass er trotz (oder gerade wegen) seines kauzigen Bühnenverhaltens ein unverkennbares Aushängeschild der Extreme-Metal-Welt bleibt. Ein Auftritt wie ein schwarzer Donnerkeil – laut, kalt und herrlich grotesk.

ASP + In Extremo

ASP entführte die Zuschauer in eine düster-poetische Klangwelt, in der die charakteristische Mischung aus Gothic-Rock, Chanson-Melancholie und theatralischem Erzählstil voll zur Wirkung kam. Mit einem Stakkato an Album-Hits malte Alexander „Asp“ Spreng stimmgewaltig und mit melancholischer Bühnenpräsenz atmosphärische Landschaften, die die Zuschauer förmlich in den Bann zogen. Seit Jahren Chart-Stammgäste und live ein Mix aus Intensität und Lyrik, bewies ASP, dass sie mehr sind als Musiker – sie sind Geschichtenerzähler der dunklen Sorte. Ihre Show war ein eindringliches Statement dafür, dass Metal abseits von Brachialität auch durch Atmosphäre und Tiefgang besticht – faszinierend, finster und zutiefst menschlich.

Bei der Abschlussrede kurz vor dem Finale, machte Geschäftsführer und Veranstalter Buddy (Thorsten Kohlrausch) auf der Bühne vor 25.000 Zuschauern seiner Partnerin und ebenso Hauptveranstalterin Dani (Daniela Glogner) einen Heiratsantrag, der natürlich glücklich angenommen wurde.

In Extremo beendeten das Rockharz Open Air 2025 als letzte Tages-Attraktion mit einem mitreißenden Mix aus mittelalterlichen Klängen, harten Gitarren und tanzbaren Rhythmen – perfekt inszeniert für die späte Festivalstunde. Die Mittelalter-Metal-Pioniere, seit Jahren in den deutschen Charts fest verankert und live mit Hymnen wie „Vollmond“ und „Küss mich“ eine Institution, entfalteten eine energiegeladene Atmosphäre, die selbst späte Müdigkeit verscheuchte. Sänger Michael Rhein und seine Mitstreiter kombinierten Dudelsäcke, Drehleier und E-Gitarren zu einem folkloristischen Metalmix, der Kopf und Körper gleichzeitig zum Tanzen brachte. Ein würdiger, kurzweiliger Abschluss, der zeigte: Wenn In Extremo spielen, bleibt kein Zeltplatz trocken – außer man schwitzt, feiert oder jammt mit.

Das Rockharz Open Air 2025 bot bei größtenteils sonnig-warmem Wetter fünf Tage lang beste Stimmung, laute Gitarren und eine rundum familiäre Festivalatmosphäre. Trotz kurzer Wetterkapriolen zeigte sich das Publikum durchweg feierfreudig, respektvoll und ausgelassen – eine Community, wie sie im Metal-Bilderbuch steht. Die staubige, aber reibungslose Abreise am Sonntag rundete ein grandioses Festival ab und macht die Vorfreude auf Rockharz 2026 jetzt schon greifbar wie ein frisch gezapftes Bier vor der Bühne.