Ballenstedt. Der Harz bebte – und das lag nicht nur an den Doublebass-Attacken. Das Rockharz Open Air 2025 ist mit einem wuchtigen Auftakt in seine ersten drei Tage gestartet – mit allem, was das Metalherz braucht: Sonne, Staub, Bier, Blastbeats und (natürlich) einem kleinen apokalyptischen Wetterchaos.
Schon am Dienstag, 1. Juli 2025, reisten die ersten tausend Metalheads an, um sich ihren Platz auf dem legendären Flugplatz in Ballenstedt zu sichern – bei knapp 27 Grad, strahlendem Himmel und der üblichen Mischung aus Festivalfreude, Bierduschen und Heringe-klopfen im Takt der Metalbeats. Das Campground-Gemurmel wurde nur von der Frage übertönt, wann der erste Kasten warm und der erste Nachbar freundlich verkatert sei.
So war der Mittwoch
Am Mittwoch, 2. Juli, ging’s dann richtig los – und wie: Bei bestem Festivalwetter (Sonne, 29 Grad, null Schatten, dafür Staubstufe „Endzeit“) gaben sich auf den beiden Hauptbühnen Acts wie Soulfly, Saxon, Insomnium, Clawfinger, Rhapsody of Fire oder Apocalyptica die Ehre. Die Stimmung war grandios, der Bierpreis akzeptabel, der Sound fett – und dann kam der Sturm. Gegen 23 Uhr zog ein massives Unwetter mit Sturmböen über das Gelände. Der Veranstalter reagierte schnell und rief über die LED-Wände und Social Media zur Sicherung aller Zelte, Pavillons und Campingequipment auf – und siehe da: Der Metalhead, sonst eher als wetterresistenter Feierkrieger bekannt, wurde zur Sturmfestung auf zwei Beinen. Keine größeren Schäden, aber Respekt an Orga und Crowd für das besonnene Handling.
EXCREMENTORY Grindfuckers + Týr
Mit einem derben Knall und einem noch derberen Humor eröffneten die Excrementory Grindfuckers den ersten Festivaltag – und zwar mit einer Grindcore-Party, wie sie nur diese Band zelebrieren kann. Die Hannoveraner Kulttruppe ist bekannt für ihre wilde Mischung aus Schlager, Pop und Blastbeats, serviert mit Grindcore-Gesicht und satirischem Dauerfeuer. Songs wie „Hartz 4“ und „Komm geh mit mir aufs Dixi-Klo“ brachten das Publikum trotz früher Stunde in Wallung – Circle Pit zum Frühschoppen inklusive. Seit über 20 Jahren bespielen sie erfolgreich die Nische zwischen Metal-Klamauk und echtem musikalischen Können, und das mit so viel Energie, dass selbst Genre-Puristen anerkennend mit dem Bier nickten. Ein würdiger, herrlich geschmackloser und maximal unterhaltsamer Festivalauftakt.
Mitten in der Nachmittagshitze des Rockharz-Mittwochs enterten Týr die Bühne – und verwandelten den Flugplatz Ballenstedt in eine sturmumtoste Klippe irgendwo zwischen den Färöern und Valhalla. Die Pagan-Metal-Helden, bekannt für ihren Mix aus nordischer Folklore, epischen Melodien und messerscharfen Riffs, lieferten eine Show, die zwischen Trinkhorn-Romantik und Hochgeschwindigkeits-Headbanging pendelte. Songs wie “Hold the Heathen Hammer High“ und “By the Sword in My Hand” wurden vom Publikum mit ausgestreckten Fäusten und kollektivem Mitgegröle gefeiert – Wikingerherzen schlugen schneller. Sänger und Gitarrist Heri Joensen führte mit charismatischer Stimme und solider Klampfenarbeit durch ein Set, das tight, hymnisch und überraschend emotional war. Die Band, längst Aushängeschild des färöischen Metalexports, zeigte einmal mehr, dass sie live nicht nur technisch glänzen, sondern auch atmosphärisch voll zünden. Kurz: ein nordischer Siegeszug im Staub des Harz – skål!
April Art + Primal Fear
April Art haben danach eindrucksvoll und explosiv bewiesen, dass moderner Alternative Metal mit Pop-Attitüde und ordentlich Druck absolut festivalbühnen-tauglich ist. Die Band aus Gießen, angeführt von der charismatischen Frontfrau Lisa-Marie Watz, brachte mit energiegeladenen Hymnen die Menge zum Beben – und das bei brütender Nachmittagshitze. Was April Art ausmacht, ist ihr Mix aus Eingängigkeit, Härte und unerschütterlicher Livepräsenz, gepaart mit einer Attitüde, die irgendwo zwischen Stadionrock und rotziger Rebellion liegt. Hier wächst ein ernstzunehmender Player im deutschsprachigen Metal-Underground heran. Nach Touren mit u.a. Dark Tranquillity und einer stetig wachsenden Fanbase liefern sie inzwischen Headliner-Qualität – auch im Nachmittags-Slot. Wer sie bisher übersehen hat, sollte spätestens jetzt ganz genau hinhören.
Als nächstes gingen Primal Fear an den Start mit ihrem klassischem Power Metal, der auch nach über zwei Jahrzehnten noch messerscharf klang – und dabei so frisch wie ein Gitarrensolo in der Mittagssonne. Sänger Ralf Scheepers schmetterte seine High-Pitch-Vocals mit der Präzision eines Laserstrahls durch die Harzer Höhenluft. Die Kombination aus speedlastiger Rhythmusarbeit, hymnischen Refrains und druckvollem Sound erinnerte daran, warum Primal Fear zu den großen Konstanten des europäischen Power Metal gehören. Dass sie in der Vergangenheit mit Judas Priest verglichen wurden, ist kein Zufall – nur dass sie live mittlerweile locker auf Augenhöhe agieren. Ein Pflichttermin für jeden, der seine Metalhymnen am liebsten mit viel Leder, Stahl und Leidenschaft serviert bekommt.
Insomnium + Dark Tranquility
Insomnium lieferten ein melancholisch-wuchtiges Meisterwerk ab, das zwischen Schönheit und Brutalität pendelte wie ein Metronom aus Nordlicht. Die Finnen sind seit Jahren Aushängeschild des Melodic Death Metal und begeistern mit ihrem charakteristischen Mix aus düsteren Melodien, schweren Riffs und epischem Songwriting – und genau das brachten sie in Ballenstedt mit voller Wucht auf die Bühne. Frontmann Niilo Sevänen growlte mit hypnotischer Intensität, während Gitarrist Ville Friman und Co. klangliche Welten zwischen Melancholie und Moshpit erschufen. Die Band, die mit ihrem aktuellen Album “Anno 1696” international erneut für Furore sorgte, bewies live einmal mehr, dass Melodic Death nicht nur ballert, sondern auch tief berührt. Ein Auftritt wie eine düstere Novelle bei Sonnenuntergang – tragisch schön, kraftvoll und absolut unvergesslich.
Dark Tranquillity gehören zu den Pionieren und ewigen Größen des schwedischen Melodic Death Metal. Mit einer Setlist zwischen Klassikern und neueren Brechern schufen sie eine perfekte Balance aus Atmosphäre, Aggression und Melodie. Frontmann Mikael Stanne überzeugte mit starker Bühnenpräsenz, charismatischem Clean-Growl-Wechsel und einer Fan-Nähe, die in der Szene ihresgleichen sucht. Die Gitarrenfraktion feuerte bittersüße Riffs und feine Leads ab, während das Publikum im Takt der Doublebass ein emotionales Beben erlebte. Ein Auftritt, der nicht nur technisch makellos, sondern vor allem emotional eindrucksvoll war – melancholisch, mitreißend und absolut würdig für die Prime-Time des Festivals.
Clawfinger + Apocalyptica
Mit Clawfinger ging die Reise zurück in die 90er – voller Wut, Groove und überraschend viel Aktualität. Die schwedischen Crossover-Veteranen sind bekannt für ihren einzigartigen Mix aus Rap, Metal und politischem Biss. Frontmann Zak Tell rappte, brüllte und sprang sich durch ein Set, das klang wie eine Mischung aus Protestmarsch und Abrissparty. Trotz einiger Jahre Bühnenpause bewies die Band, dass sie nichts von ihrer Schlagkraft verloren hat – im Gegenteil: Das war roh, ehrlich und extrem tight. Ein seltener, aber umso willkommener Festivalmoment für alle, die Crossover nicht als Relikt, sondern als Kampfansage feiern.
Apocalyptica brachten am Mittwochabend mit ihrem reinen Metallica-Cover-Set nicht nur die Bühne, sondern gleich die ganze Wetterlage zum Eskalieren – als hätten ihre Celli persönlich den Sturm heraufbeschworen, der später in der Nacht über Ballenstedt fegte. Die Finnen zelebrierten Klassiker wie “Master of Puppets”, “Enter Sandman” und “Seek and Destroy” in ihrer ganz eigenen Art: ohne Gesang, aber mit der vollen Wucht von vier entfesselten Cellos. Es war heavy, episch und so intensiv, dass man stellenweise vergaß, dass da keine Gitarren auf der Bühne standen – nur Bögen, Saiten und pure Energie. Apocalyptica bewiesen einmal mehr, warum sie seit den 90ern international gefeiert werden: Weil sie Metal fühlen, verformen und neu erschaffen können. Und als gegen Ende der Wind aufzog und der Himmel dunkler wurde, schien es fast, als hätte “One” persönlich den Wettergott provoziert.
Saxon + Soulfly
Saxon lieferten eine Heavy-Metal-Glanztat ab, die in jeder Hinsicht unter die Haut ging – nicht zuletzt, weil es vorerst der letzte Auftritt war. Die britischen NWOBHM-Legenden hatten kurz zuvor fast alle Sommertermine aus gesundheitlichen Gründen abgesagt, doch für Ballenstedt hieß es: noch einmal alles geben. Frontmann Biff Byford, stimmlich stark wie eh und je, führte mit Charme, Würde und donnerndem Organ durch ein Set voller Klassiker. Die Band spielte tight und mit sichtlich emotionaler Aufladung – als wäre jeder Song eine letzte Verbeugung vor Publikum und Bühne. Die Fans? Feierten Saxon, als gäbe es kein Morgen – mit Fäusten in der Luft, Tränen in den Augen und einem kollektiven Gefühl von Dankbarkeit. Ein denkwürdiger Abend, der einmal mehr bewies, warum Saxon zu den ganz Großen gehören – laut, legendär und auf ewig unvergessen.
Soulfly beendeten den ersten Festivaltag beim Rockharz Open Air 2025 mit einem brutalen Donnerhall, der den Harz bis tief in die Nacht erzittern ließ. Als letzter Act des Mittwochs ließ Max Cavalera keine Fragen offen, warum die Band seit über zwei Jahrzehnten zu den hartnäckigsten Groove-Metal-Institutionen zählt. Mit einer Setlist, die von Tribal-Beats über Thrash-Parts bis zu brachialem Death-Groove alles in den Mixer warf, prügelten sich Soulfly durch ihre besten Hits. Die Stimmung war elektrisch, die Circle Pits glühten, und Cavalera wirkte, als wolle er dem Harz persönlich den Schlaf austreiben. Soulfly sind seit jeher bekannt dafür, kulturelle Wurzeln mit kompromissloser Härte zu verbinden – live wird daraus ein spiritueller Moshpit zwischen Wahnsinn und Ekstase. Ein würdiger, schweißtreibender Abschluss für Tag eins, der eher nach Explosion als nach Feierabend klang.
So war der Donnerstag
Donnerstag, 3. Juli begann etwas kühler (21 Grad, leichter Nieselregen, Windstufe „Mütze festhalten“), doch das Line-up ließ das schnell vergessen. Nach dem 1/3 der Besucher nach einem schwarzen Schaf auf dem Campingbereich suchten, feierte der Rest mit der Folkband Kupfergold auf dem Festivalground. Asenblut verwandelten das Gelände in eine heilige Messe der Pyro-Ekstase, The New Roses knüppelten mit chirurgischer Präzision, J.B.O. sorgten für jede menge Humor und Spannung und King Diamond sowie Sodom zeigten einmal mehr, wie Metal mit maximaler Energie funktioniert. Der Moshpit war zurück, die Haare flogen, und der Harz hallte.
Mister Misery + The gems
Mister Misery lieferten ein düsteres, energiegeladenes Feuerwerk ab, das irgendwo zwischen Horror-Glam, Modern Metal und Melodic Mayhem angesiedelt war. Die Schweden, bekannt für ihre theatralische Optik, eingängigen Hooks und rotzige Attitüde, überzeugten mit ihren Hits, die live noch brachialer und mitreißender wirkten als auf Platte. Ihr Mix aus Horrorästhetik à la Manson und metallischer Härte mit Pop-Appeal sorgte für reichlich Bewegung im Pit und auf der Bühne. Seit ihrem Debüt 2019 haben sie sich zu einem Geheimtipp der düsteren Glam-Metal-Fraktion gemausert – und beim Rockharz bewiesen, dass sie live längst keine Newcomer mehr sind. Ein Auftritt, der Schminke verwischte, Herzen gewann und verdammt viel Lust auf mehr machte.
The Gems rockten mit einer solchen Wucht, dass selbst die Harzer Hügel kurz den Takt mitnickten. Die schwedische Power-Trio-Formation, entstanden aus Ex-Mitgliedern von Thundermother, kombiniert klassischen Hard Rock mit moderner Attitüde, fettem Riffing und einer unverschämt souveränen Bühnenpräsenz. Frontfrau Guernica Mancini bewies einmal mehr, dass sie stimmlich locker ganze Gebirgsketten abtragen könnte – während Drums und Gitarre kompromisslos das Fundament lieferten. Mit ihrem Debütalbum “Phoenix”, das 2024 europaweit in die Rockcharts knallte, haben sie sich endgültig als ernstzunehmende Kraft im Hard-Rock-Zirkus etabliert. Ihre Show war rotzig, selbstbewusst und mitreißend – ein echter Edelstein im diesjährigen Line-up.
the New Roses + Green Lung
The New Roses brachten dem Rockharz einen kräftigen Schuss Rock’n’Roll zwischen all der Metal-Massivität – und das mit Stil, Schweiß und ordentlich Swagger. Die Wiesbadener Truppe steht für ehrlichen, amerikanisch geprägten Hard Rock irgendwo zwischen Guns N’ Roses, Aerosmith und einem kühlen Bier nach Feierabend. Mit ihrer Songauswahl zeigten sie, warum sie längst nicht nur in Deutschland, sondern auch international – etwa als Support für KISS und Scorpions – Erfolge feiern. Sänger Timmy Rough überzeugte mit Reibeisen-Stimme und Rockstar-Attitüde ohne Allüren, während die Band tighter spielte als so mancher Tourbus geschnallt ist. Ein erfrischender, handgemachter Kontrast im Line-up – und genau deshalb ein echtes Highlight, be dem sogar Stagemanager Mutz mal mit auf die Bühne kam.
Green Lung verwandelten die Stimmung in ein okkultes Retro-Rock-Ritual, das irgendwo zwischen Sabbath-Riffs, Orgelmagie und britischer Folklore pendelte. Die Londoner Band, bekannt für ihren Mix aus Doom, Classic Rock und lyrischem Hexenkult, brachte düsteren Glanz in den Harzer Staub. Frontmann Tom Templar überzeugte mit charismatischer Bühnenpräsenz und einer Stimme, die klang wie eine Teestunde mit Lucifer. Mit ihrem Album “This Heathen Land” haben sie sich 2023 in der internationalen Szene festgesetzt – und live beweisen sie, dass Vintage-Sound keineswegs verstaubt klingen muss. Eine Show wie eine dunkle Messe im Morgengrauen – mystisch, heavy und verdammt mitreißend.
memoriam + J.B.O.
Memoriam brachten eine gewaltige Portion Old School Death Metal auf die Bühne, die sich wie ein Panzer durchs Publikum wälzte – langsam, schwer und gnadenlos direkt. Die britische Truppe rund um Ex-Bolt-Thrower-Frontmann Karl Willetts steht für kompromisslose Riffs, düstere Kriegs-Thematik und einen Sound, der mehr nach 90er-Schlammgrube als nach digitalem Hochglanz klingt. Mit ihren Hits zeigten sie eindrucksvoll, dass ehrlicher, handgemachter Death Metal auch 2025 nichts von seiner Durchschlagskraft verloren hat. Die Band hat sich seit ihrem Debüt 2017 zu einem festen Pfeiler der europäischen Death-Szene entwickelt – rau, roh und voller Haltung. Ein Auftritt, der nicht durch Show, sondern durch Substanz und Wucht überzeugte – nichts für Schöngeister, alles für Puristen.
J.B.O. verwandelten das Rockharz in ein Paralleluniversum aus Klamauk, Kult und kernigem Metal – und bewiesen erneut, dass Humor und Härte wunderbar zusammenpassen. Die Franken feuerten ein Hitfeuerwerk ab, das zwischen Schenkelklopfern und kollektiver Eskalation pendelte. Was J.B.O. ausmacht, ist ihr einmaliger Mix aus Metal-Parodie, echten musikalischen Fähigkeiten und einer treuen Fanbase, die jeden Gag lauter mitsingt als den Refrain. Besonders legendär wurde es, als während der Wall of Death plötzlich mehrere Security-Mitarbeiter selbst im Pit auftauchten – lachend, hüpfend und völlig im Sinne des gepflegten Wahnsinns. Seit den 90ern erfolgreich in den Charts, auf Festivals und in den Herzen der Spaßmetaller, zeigten J.B.O., dass sie live immer noch eine absolute Bank sind. Ein Auftritt, der nicht nur die Nackenmuskulatur, sondern auch die Lachmuskeln aufs Schönste malträtiert hat.
Sodom + Versengold
Sodom lieferten einen der intensivsten und emotionalsten Auftritte des gesamten Festivals – nicht nur wegen ihres kompromisslosen Old-School-Thrash, sondern weil die Band kürzlich ihre Auflösung angekündigt hatte. Die Essener Kult-Truppe um Frontmann Tom Angelripper warf noch einmal alles in die Menge an ihren Thrash-Hymnen, die wie Granaten durch die Harzer Abendluft flogen. Sodom stehen seit über 40 Jahren für puren, ungefilterten Teutonen-Thrash, roh, direkt und mit Haltung – und genau das war an diesem Abend in jeder Note zu spüren. Die Fans feierten sie mit erhobenen Fäusten, ehrlicher Dankbarkeit und einem bittersüßen Gefühl, Zeuge von etwas Endgültigem zu sein. Keine Show wirkte so authentisch, so laut, so final wie diese.
Versengold sorgten für eine ordentliche Portion gute Laune, Folk-Power und tanzbaren Mittelalter-Flair auf das Festivalgelände. Die Bremer Band, bekannt für ihren Mix aus Folk, Rock und frechem Wortwitz, lieferte eine Setlist, die selbst eingefleischte Death-Metaller zum Mitschunkeln zwang. Konfetti-Kanonen, mit Wucht gezündet, taten ihr Übriges, um das Gelände in ein farbenfrohes Chaos aus Bier, Lachen und Polka-Metal zu tauchen. Versengold haben sich in den letzten Jahren mit Top-10-Alben und ausverkauften Tourneen einen festen Platz in der Szene erspielt – und bewiesen auch auf dem Rockharz, dass sie live eine absolute Bank sind. Frontmann Malte Hoyer moderierte mit schelmischem Grinsen durch die Show, während Geige, Gitarre und Dudelsack ein Party-Feuerwerk nach dem anderen zündeten. Wem bei dieser Show nicht das Herz aufging, der stand vermutlich an der Bierbude – oder hat innerlich längst Konfetti gestreut.
King Diamond + Heaven Shall Burn
Ein makabres Metal-Theater der Extraklasse gab es bei King Diamond, bei dem Gänsehaut, falsettgetriebene Schreie und düsteres Storytelling Hand in Hand gingen. Der legendäre Däne mit der Totenschminke, der seit den 80ern mit Mercyful Fate und solo Metalgeschichte schreibt, zelebrierte seine Horror-Opern mit einer finsteren Eleganz, die zwischen Gruselshow und Hochkultur pendelte. Hier wurde alles mit Bühnendeko, Sarg-Requisiten und dämonischem Charme inszeniert – ein audiovisueller Albtraum im allerbesten Sinne. King Diamond ließen keinen Zweifel daran, warum sie zu den einflussreichsten Stimmen im Metal gehören. Trotz des Kultstatus wirkte der Meister nahbar, spielfreudig und stimmlich so gnadenlos präzise, dass selbst Satan im Publikum kurz innehielt. Eine Show, die weniger Konzert als finstere Liturgie war – ein Pflichttermin für alle, die Metal gerne mit schaurigem Stil serviert bekommen.
Heaven Shall Burn lieferten einen wuchtigen Abriss, der trotz ungewohnter Besetzung nichts an Intensität und Wucht vermissen ließ. Da Frontmann Marcus Bischoff seit Rock am Ring Anfang Juni gesundheitlich pausieren muss, übernahm erneut Britta Görtz (Hiraes, ex-Cripper) das Mikro – und lieferte eine derart energiegeladene Performance, dass selbst langjährige Fans ehrfürchtig nickten. Die Thüringer sind seit Jahren bekannt für ihren brachialen Mix aus Melodic Death, Metalcore und politischer Haltung – und Songs wie „Endzeit“, „Hunters Will Be Hunted“ oder „Combat“ funktionierten auch mit weiblicher Brutalität bestens. Die Pyro knallte, die Moshpits kochten, und die Band wirkte trotz Umstellung eingespielt, fokussiert und spürbar dankbar für die Festivalcrowd. Es war kein Ersatzauftritt, sondern ein Statement aus Stärke, Zusammenhalt und kompromissloser Livegewalt.
Nachtblut + Non Est Deus
Spät am Abend brachten Nachtblut die dunkle Seite des Festivals zum Leuchten – mit einer theatralischen, wuchtigen Show zwischen NDH, Gothic und Black-Metal-Anleihen. Die Osnabrücker Band, bekannt für ihre düsteren Texte, provokanten Bühnenbilder und treibenden Industrial-Grooves, feuerte Songs mit einer Mischung aus Zynismus, Eleganz und musikalischer Härte ins Publikum. Frontmann Askeroth inszenierte sich wie gewohnt irgendwo zwischen Hohepriester und Höllenanimateur – mit jeder Menge Bühnennebel, Kunstblut und schwarzem Humor. Nachtblut haben sich mit mehreren Chartplatzierungen und ihrer kompromisslosen Ästhetik einen festen Platz in der deutschen Dark-Metal-Szene erspielt. Die Show auf dem Rockharz war ein finsteres Fest für Fans morbider Melodien und düsterer Wortgewalt – verstörend schön und definitiv unvergesslich.
Für das große Tagesfinale fackelten Non Est Deus ein Black-Metal-Inferno ab, das ebenso blasphemisch wie beeindruckend war – finster, kompromisslos und mit einer Pyroshow, die jedem Höllenszenario zur Ehre gereicht hätte. Die Berliner Band, bekannt für ihre philosophisch-provokanten Texte und dichte, aggressive Klangwelten, zelebrierte ihre Show mit einer Intensität, die selbst gestandene Schwarzmetaller in Ehrfurcht erstarren ließ. Trotz ihrer vergleichsweise jungen Bandgeschichte hat sich Non Est Deus mit ihren Alben und kompromisslosen Live-Shows bereits einen festen Platz in der deutschen Black-Metal-Szene erspielt. Ihr Auftritt war ein audiovisueller Schlag in die Magengrube – messerscharf, erbarmungslos und absolut sehenswert.
Unser Fazit der ersten drei Tage: Wetterkapriolen, Metal in Bestform und eine Community, die selbst bei Sturm nicht wackelt – Rockharz bleibt eines der charmantesten und stimmungsvollsten Festivals der Szene. Wer es trocken mochte, hatte Pech. Wer es laut, ehrlich und familiär mochte, war genau richtig. Und es sind ja noch zwei Tage übrig. Prost!























































































































































































































































































































































