Sulingen hat wieder aufgetischt: Das Reload Festival startet in seine nächste Runde. Wer den Donnerstag noch als reinen Anreisetag abtut, verpasst einiges. Das Infield lieferte von der ersten Minute an ein volles Programm. Hier ist unser Tagesbericht von Tag 1 – von schwedischem Deathcore Geballer über Tribal Riffs bis zu Schweden-Death war alles dabei.
Orbit Culture: Präzise Wucht zum Start
Den musikalischen Auftakt für uns machten die Schweden von Orbit Culture. Trotz der direkt tief stehenden Sonne, die Sänger Niklas Karlsson sprichwörtlich mitten ins Gesicht schien, lieferte die Band ein technisch wie energetisch überzeugendes Set ab. Die Double Bass ballerte punktgenau durch die PA, während die vorantreibenden Beats und knackigen Riffs vor der Bühne sofort für ordentlich Bewegung sorgten. Die mächtigen Breakdowns setzten Akzente und unterstrichen den insgesamt sehr druckvollen Auftritt. Ein gelungener Einstand auf dem Festivalgelände.
Thy Art Is Murder: Kompromissloser Härtegrad
Kurios gestaltete sich der Beginn bei Thy Art Is Murder: Der neue Sänger, Jerry Grindfield, betrat die Bühne zunächst in einer geschlossenen Regenjacke, stellte aber recht schnell fest, dass das bei den sommerlichen Temperaturen unpraktisch war, und entledigte sich der Schicht wieder. Für Jerry Grindfield war es zudem einer der ersten Auftritte als Sänger der Band, nachdem er erst kurz zuvor überraschend als Nachfolger von Tyler Miller vorgestellt worden war. Musikalisch gaben die Australier gewohnt keine Gefangenen: Blastbeats, durchgehende Double-Bass-Salven und brutale Breakdowns dominierten das Bild. Der Gesang war extrem aggressiv und strich stellenweise so tief durch die tiefen Frequenzen, dass der Text kaum mehr zu verstehen war. Dem Moshpit tat das keinen Abbruch – das Publikum zeigte sich extrem bewegungsfreudig.
Soulfly: Tribal-Riffs und Bewährtes
Im Anschluss übernahmen Soulfly das Areal. Max Cavalera und seine Crew brachten ihre bewährte Mischung aus Groove Metal und Percussion-Elementen auf die Bretter.
Mit Klassikern und mitreißenden Riffs hielten Soulfly das Energielevel auf der Wiese konstant hoch. Die Band verstand es, die Menge souverän durch ihr Set zu führen und den Boden für die späten Abendstunden vorzubereiten.
Lamb of God: Erste Pyro-Effekte und ordentlich Dynamik
Mit fortschreitender Uhrzeit kühlte es spürbar ab. Die einsetzende Dunkelheit bot die passende Kulisse für Lamb of God. Als erste Band des Tages setzten die US-Amerikaner auf eine ordentliche Pyroshow, was die Atmosphäre vor der Bühne noch einmal spürbar aufwertete. Musikalisch gab es fett produzierte Riffs und einen agilen Randy Blythe, der gewohnt energiegeladen über die Bühne fegte (und in bekannter Manier regelmäßig auf die Bretter spuckte). Das Publikum dankte es mit durchgehender Bewegung im Pit. Ein rundum brachialer Auftritt.
Black Label Society: Groovende Gitarrenarbeit
Vor dem finalen Act lag die Reihe an Zakk Wylde und seiner Black Label Society. Mit gewohnt markantem Sound, schwer schleppenden Riffs und ausgiebiger Gitarrenarbeit brachten BLS eine klassischere, aber keineswegs leise Rock- und Heavy-Metal-Note ins Programm. Ein grundsolider Auftritt, der die Zeit bis zum Headliner gut überbrückte.
Arch Enemy: Neue Frontpower im Scheinwerferlicht
Als der Vorhang schließlich zu den Klängen von Motörheads „Ace of Spades“ fiel, bogen Arch Enemy auf die Zielgerade des Tages ein. Eröffnet wurde die Show direkt mit „Yesterday Is Dead and Gone“. Es war für uns das erste Mal, die Band mit der neuen Sängerin live zu erleben. Sie brachte ordentlich Power und eine starke Bühnenpräsenz mit. Ihre tiefen Growls fielen stimmlich sehr brummig aus und wirkten im Soundmix stark verzerrt und extrem basslastig. Musikalisch dominierten gewohnte Tugenden wie die typischen, melodischen Gitarrensoli. Wie schon bei Lamb of God kam auch hier Pyro zum Einsatz. Überraschend war lediglich, dass es direkt vor der Bühne für einen Headliner-Slot fast etwas lichter besetzt war als erwartet.
Der Donnerstag hat musikalisch bereits ordentlich vorgelegt und gezeigt, wie viel Potenzial in den kommenden Tagen steckt. Wir sind eingegroovt und gespannt auf Tag 2.
Text: Luca Collurafici