Plage Noire 2025: Düsterer Glanz und schwarze Magie am Meer


Plage Noire 2025: Düsterer Glanz und schwarze Magie am Meer
Am Wochenende vom 14. und 15. November 2025 fand das Plage Noire wieder an der Ostsee statt. (Bild: Birger Treimer)

Der erste Tag des Plague Noire 2025 begann unter schweren Wolken und Regen an der Ostsee. Die kühle, regnerische Luft mischte sich mit den tiefen Bässen der Soundchecks und dem geschäftigen Treiben der Besucher. Bereits im Foyer setzten kleine Modeshows am Freitag, den 14. November dezente Akzente, während draußen das Festivalgelände langsam erwachte und der Duft von Räucherwerk über den Gothic-Markt hinwegzog.

Letzte Instanz

Viele Gäste waren bei dem Wetter noch mit der Anreise beschäftigt oder vergnügten sich noch auf den Rutschen des Schwimmbades und so begann auch unser Tag erstmal mit der Letzte Instanz. Aufgrund der bevorstehenden Auflösung der Band ist dies auch eine der letzten Gelegenheiten die Band zu geniessen. Die Letzte Instanz eröffneten den Abend mit einer warmen Mischung aus Rock und Folk Elementen. Besonders stimmungsvoll wirkten „Von Mensch zu Mensch“ und das kraftvolle „Wir sind allein“, die sofort Resonanz im Publikum fanden. Die klaren Arrangements bereiteten einen ruhigen, aber eindrucksvollen Einstieg, der den Abend sanft in Gang setzte.

Das Ich

Mit Das Ich erhielt die Dramaturgie eine scharfkantige Wendung. Die Band präsentierte ihre charakteristische Mischung aus Avantgarde und Industrial, begleitet von expressiver Gestik und intensiven Visuals. Stücke wie „Gottes Tod“ und „Destillat“ sorgten für markante Höhepunkte und setzten starke Akzente im Set. Die Atmosphäre wurde dichter, dunkler und bewusst herausfordernd.

Deine Lakaien

Bei Deine Lakaien kehrte im Zelt Ruhe ein, jedoch ohne an Intensität zu verlieren. Ernst Horns elektronische Texturen und die charakteristische Stimme von Alexander Veljanov entfalteten eine fast schwebende Atmosphäre. Besonders emotional wirkten „Dark Star“ und „Where You Are“, zwei Stücke, die seit Jahren zu den stillen Favoriten der Fanbasis gehören. Der Auftritt bot einen klaren Ruhepol im Festivalverlauf.

[:SITD:]

[:SITD:] steigerten die Energie wieder spürbar. Mit druckvollen Beats und klarer EBM-Struktur brachte die Band das Gelände in Bewegung. Besonders „Snuff Machinery“ und „Laughingstock“ heizten der Menge ein und ließen den Platz vor der Bühne innerhalb kürzester Zeit zur vibrierenden Tanzfläche werden. Klare elektronische Präzision prägte diesen Abschnitt des Abends.

VNV Nation

Als VNV Nation am Freitagabend die Bühne betraten, entstand sofort jene besondere Mischung aus Erwartungsspannung und Verbundenheit, die ihre Shows seit vielen Jahren prägt. Die ersten pulsierenden Synthflächen eröffneten das Set mit einer ruhigen, aber klaren Spannungslinie, die sich Stück für Stück steigerte. Das Publikum reagierte aufmerksam, beinahe fokussiert, als würde es gemeinsam in diesen Abend hineinatmen. Mit der fortschreitenden Setlist nahm die Energie spürbar zu, und „Nova“ wurde zu einem der ersten großen gemeinsamen Momente des Abends. Die hymnischen Melodien und die aufwärtsstrebende Dynamik entfalteten ihre volle Wirkung und erzeugten ein Gefühl von Aufbruch, das sich über das gesamte Feld legte. Ein emotionaler Ruhepol entstand wenig später mit „Illusion“. Der Song wirkte wie ein stiller Kern des Konzerts – getragen von der klaren Stimme Ronan Harris’ und der fein abgestimmten Elektronik. Viele Besucher lauschten regungslos, andere schlossen die Augen, als wollten sie jeden Ton festhalten.

Erst im späteren Verlauf des Abends folgte „Control“, und hier entfaltete sich die volle Wucht der VNV-Nation-Energie. Der druckvolle Beat, die markanten Shouts und die direkte Interaktion mit dem Publikum sorgten für einen spürbaren Ruck durch die Menge. Es war jener Moment, in dem die Show endgültig vom emotionalen Erlebnis in ein kraftvolles Finale überging. Zwischen den Songs richtete Harris immer wieder persönliche Worte an das Publikum – über Gemeinschaft, Durchhaltewillen und die Bedeutung solcher Abende für die Szene. Diese kurzen Botschaften wirkten authentisch und gaben dem Set zusätzliche Wärme.

Nach dem Konzert drängten sich die Besucher in die Indoor-Location, wo die After-Show-Party begann. Zu EBM, Darkwave und Szene-Klassikern blieb die Tanzfläche durchgehend belebt. Die Kombination aus Wärme, Musik und ausgelassener Stimmung löste die Kälte des Abends schnell ab und trug die Energie des Tages bis spät in die Nacht hinein, auch wenn das spontane “Licht An –> rauskärchern” am Ende für die Nachtschatttengewächse recht überraschend kam.

Samstag

Der Samstag des Plague Noire 2025 begann trocken, aber mit einer schneidenden Kälte, die die Ostseeküste fest im Griff hatte. Viele Besucher suchten daher zunächst Wärme – sei es im benachbarten Schwimmbad, dessen Dampf aus der Ferne fast surreal wirkte, oder bei einem Spaziergang am Strand, wo sich ein unerwartet friedliches Bild bot: schwarz gekleidete Festivalgäste neben Familien, die gemeinsam die graue See betrachteten. Trotz dieses ruhigen Morgens blieb das Festivalzelt über den Tag hinweg auffällig locker gefüllt, was den Konzerten eine besondere, fast intime Note verlieh.

Eden Weint im Grab

Eden Weint im Grab eröffneten den Samstag mit dunkelromantischer Dramatik. Songs wie „Geysterstunde II“ und „Die Jenseitsflugmaschine“ wirkten im halbleeren Zelt fast wie Theaterszenen in einer verlorenen Kathedrale. Die Band spielte konzentriert und detailreich, was die wenigen Anwesenden mit spürbarem Respekt honorierten. Gerade die erzählerischen Passagen gewannen durch die ruhige Umgebung an Kraft und Intensität.

Lacrimas Profundere

Mit Lacrimas Profundere wurde der Klang voller und rockiger. Stücke wie „Ave End“ und „My Release in Pain“ erzeugten eine dichte, melancholische Stimmung, die sich schnell im Zelt ausbreitete. Die Band zeigte sich in starker Form, nutzte die größere Bühne souverän und brachte mit jeder Zeile mehr Dynamik ins Publikum. Auch wenn die Zuschauermenge überschaubar blieb, wirkte der Auftritt professionell, warm und getragen von echter Bühnenpräsenz.

BeAsto Blanco

Beasto Blanco brachten mit ihrem theatralischen Hardrock frische Bewegung ins Programm. Mit „Feed My Frankenstein“ und „Devil’s Child“ sorgten sie für sichtbare Reaktionen, begleitet von intensiver Bühnenaction und kraftvollem Sound. Die Band wirkte, als würde sie vor einer zehnfach größeren Crowd spielen, was dem Set eine beeindruckende Energie verlieh. Der Saal war gut gefüllt und die Band konnte mit einer wahnsinnigen Energie überzeugen.

Veljanov

Der Soloauftritt von Veljanov setzte einen eleganten Gegenpol. Mit „The Prayer“ und „His Vita“ entfalteten sich fein strukturierte Klanglandschaften, die besonders im kühlen, ruhigen Ambiente des Nachmittags Wirkung zeigten. Seine Stimme füllte den Raum ohne Kraftaufwand, und die Zuhörer verharrten auffallend konzentriert. Es entstand ein Moment, in dem Musik und Atmosphäre sich mühelos ergänzten.

Neuroticfish

Mit Neuroticfish begann der elektronische Teil des Abends. Songs wie „WakeMeUp!“ und „M.F.A.P.L.“ sorgten für klare, pulsierende Bewegungsimpulse und weckten das Publikum sichtbar auf. Die Kombination aus präzisem Synthsound und intensiver Lichtstimmung verlieh dem Auftritt eine nüchtern-energiegeladene Note. Trotz der Kälte draußen entwickelte sich im Saal spürbare Temperaturschwankungen.

Oomph!

Oomph! präsentierten sich mit einem Set, das deutlich machte, wie wandlungsfähig und gleichzeitig stabil die Band auch nach den personellen Veränderungen geblieben ist. Von Beginn an dominierten kraftvolle Industrial-Rock-Elemente, die das Publikum schnell mitrissen. Besonders „Labyrinth“ und „Gott ist ein Popstar“ setzten starke Akzente und sorgten für jene Mischung aus Härte, Energie und Wiedererkennungswert, die den Sound der Band seit Jahren prägt. Die neue Stimmführung fügte sich überraschend selbstverständlich in das Gesamtbild ein, während die Band ihre bekannten Stärken – klare Rhythmik, markante Riffs und eingängige Refrains – souverän ausspielte. Auch neuere Stücke kamen gut an und zeigten, dass Oomph! weiterhin den Spagat zwischen Tradition und Weiterentwicklung meistern. Besonders auffällig war die starke Interaktion mit dem Publikum: Die Band nutzte jeden Zwischenraum, um Nähe herzustellen, und reagierte spürbar auf die Energie im Zelt. Der Auftritt hinterließ den Eindruck einer Gruppe, die sich neu sortiert hat, aber mit frischer Kraft und klarem Konzept zurück auf der Bühne steht.

Frozen Plasma

Frozen Plasma bauten diese Stimmung weiter aus und brachten mit „Tanz die Revolution“ und „Earthling“ eine Mischung aus tanzbarer Energie und atmosphärischer Emotionalität. Die harmonischen Melodien wirkten im Zusammenspiel mit den futuristischen Projektionen besonders eindrucksvoll. Für viele Besucher war dieser Auftritt eines der Highlights des Tages, da er sowohl mitreißend als auch berührend war.

Schandmaul

Mit Schandmaul hielt ein völlig anderer Klang Einzug. Songs wie „Traumtänzer“ und „Der Teufel“ brachten folkiges Leben, das sofort spürbare Wärme ins Zelt trug. Die Band spielte gewohnt publikumsnah und schaffte es, selbst diejenigen mitzuziehen, die eigentlich wegen der elektronischen Acts vor Ort waren. Besonders die melodischen Instrumentalpassagen lockerten die Atmosphäre auf und sorgten für eine fast familiäre Stimmung. Für viele war dieser Auftritt ein emotionaler Drehpunkt im Programm.

Suicide Commando

Mit Suicide Commando wurde der Klang wieder konsequent düster und aggressiv. „Hellraiser“ und „Bind, Torture, Kill“ ließen keinen Zweifel daran, dass hier einer der härtesten Acts des Festivals auf der Bühne stand. Die drastischen Beats und das kompromisslose Auftreten zogen das Publikum merklich dichter zusammen. Trotz der Kälte stieg die Temperatur spürbar, und die Intensität des Sets machte deutlich, warum die Band einen festen Platz in der Szene hat. Die Energie war roh, direkt und vollkommen unverfälscht.

Nitzer Ebb

Der Auftritt von Nitzer Ebb wurde von vielen erwartet, begann jedoch unter ungewöhnlichen Vorzeichen: Zu „ Hearts and Minds “ und „Control I’m Here“ war das Zelt überraschend leer den ein Großteil verweilte noch bei Suicide Commando. Die Band spielte präzise und kraftvoll, doch der Funke sprang nur zögerlich über. Als das Tempo sichtlich zunahm und auch noch einige Gestalten aus dem Saal rüberschwappten wurde das Set 24 Minuten früher als angekündigt beendet, was das Publikum sichtbar irritiert zurückließ. Ein Auftritt, der musikalisch solide war, aber atmosphärisch ungewöhnlich offen und unfertig wirkte.

Abseits der Bühnen blieben die leisen, warmen Bilder im Gedächtnis: das morgendliche Treiben im Schwimmbad, die Strandspaziergänge, das Familienbild vor der grauen Ostsee. Diese Momente gaben dem Festival eine fast intime, menschliche Note.

Insgesamt war das Plague Noire 2025 ein Wochenende voller Kontraste – musikalisch stark, atmosphärisch unterschiedlich, aber in seiner Gesamtheit absolut erinnerungswürdig.