Kurz nach Sonnenaufgang war die Erleichterung in den Camps förmlich greifbar. Der Regen des letzten Tages hatte sich verzogen, nur der kräftige Wind fegte noch über das Gelände. Auf den Campingplätzen wurden durchnässte Pavillons wieder aufgebaut, zerstörte entsorgt, nasse Kleidung trocknete an improvisierten Leinen und überall kehrte die ausgelassene Festivalstimmung zurück. Die Besucher genossen den Wetterumschwung sichtbar – endlich wieder Sonne, die den Schlamm trocknete und das Gefühl, dass der Festivalsommer doch zurückgekommen war.
Wer über das Gelände schlenderte, konnte zudem die beeindruckende Graffiti-Kunst bewundern, die seit Jahren zu den Besonderheiten von Roskilde gehört. Rund 100 der besten Graffiti-Künstler und Street-Art-Schaffenden aus aller Welt werden kuratiert, um Zäune, Wände und Baucontainer in eine riesige Open-Air-Galerie zu verwandeln. Zwischen politischen Botschaften, abstrakten Werken und fotorealistischen Murals entstand erneut eine der spannendsten Kunstausstellungen des Festivals. Unsere Auswahl des Freitags führte quer durch das Programm und zeigte einmal mehr die enorme stilistische Bandbreite von Roskilde.
Cat Clyde aus Kanada eröffnete den Tag auf der Fauna Stage mit warmem Folk und Americana. Ihre entspannte Ausstrahlung passte perfekt zum Wetterwechsel und sorgte für einen angenehmen Start in den Festivalfreitag.
Young Miko brachte mit Latin Trap und Reggaeton internationales Flair auf die Arena Stage. Die Energie im Publikum zeigte eindrucksvoll, wie selbstverständlich globale Popkultur heute zum Roskilde-Kosmos gehört.
Die Dänin Tessa absolvierte auf der Orange Stage ein gefeiertes Heimspiel. Die Rapperin wurde von den dänischen Fans frenetisch empfangen und lieferte eine selbstbewusste, druckvolle Show.
Maruja aus Großbritannien gehörten für uns zu den spannendsten Entdeckungen des Tages. Die Mischung aus Post-Punk, Jazz und Noise entwickelte auf der Fauna Stage eine ungeheure Intensität und zog das Publikum tief in ihren Bann.
Smerz aus Norwegen präsentierten ihren minimalistischen, oft verträumten Elektro-Pop auf der Lagune-Bühne. Das norwegische Duo + Band schuf einen faszinierenden Kontrast zum hektischen Festivalgeschehen und überzeugte mit Atmosphäre statt Lautstärke.
Addison Rae bewies auf der Orange Stage, dass sie längst mehr ist als ein Social-Media-Phänomen. Ihre perfekt choreografierte Popshow wurde vom jungen, begeisterten Publikum gefeiert. Uns überzeugte die Barbieattitüde nicht.
Genesis Owusu, Australier mit afrikanischen Wurzeln lieferte auf der Lagune eine der energiegeladensten Performances des Tages. Mit seiner explosiven Mischung aus Rap und Funk verwandelte er die audience in einen einzigen Hexenkessel.
Jennie sorgte für einen enormen Besucherandrang, vielleicht den größten des Freitags. Die K-Pop-Ikone präsentierte eine hochprofessionelle Show und unterstrich eindrucksvoll ihre internationale Ausnahmestellung. Völlig zu recht platziert auf der Orange Stage!
Oklou aus Frankreich beschloss auf der EOS Stage unsere Konzertauswahl mit schwebendem Electro-Pop und einer beinahe traumartigen Atmosphäre. Ein stiller, eleganter Abschluss eines Tages, an dem Roskilde nach den Wetterkapriolen des Vortags endlich wieder ganz bei sich angekommen war.