Das Highfield Festival 2026 war nicht einfach nur die nächste Ausgabe eines der wichtigsten Rock- und Popfestivals im Osten, sondern der große Abschied am Störmthaler See. Unter dem Motto „One Last Dance“ wurde bei Großpösna noch einmal gefeiert, als wolle man die vergangenen fast drei Jahrzehnte in ein einziges langes Wochenende packen. Der Grund für das Ende lag nicht an fehlender Liebe, fehlenden Bands oder fehlender Stimmung, sondern an der harten Realität hinter den Kulissen: Die stark gestiegenen Produktionskosten machten das Festival in seiner bisherigen Form wirtschaftlich nicht mehr tragbar.

Gerade deshalb lag über dem Gelände von Donnerstag bis Samstag eine besondere Mischung aus Euphorie und Wehmut. Man merkte an vielen Ecken, dass hier nicht irgendein Festivalwochenende lief, sondern ein Abschied von einem Ort, der für viele längst mehr war als nur Camping, See und Bühnen. Das Wetter spielte dabei eher die Rolle des Festival-Endgegners: viel Sonne, Hitze, Trockenheit und Staub, besonders am Samstag, als das Gelände gefühlt auf Grillstufe „Sachsen im August“ lief. Trotzdem blieb die Stimmung stark – oder vielleicht gerade deshalb: Wer zum letzten Highfield fuhr, wollte nicht jammern, sondern tanzen, schwitzen, singen und noch einmal alles mitnehmen.

Donnerstag

Das Programm bot zum ersten Mal an einem Donnerstag, also einen Tag früher, das typische Highfield-Mischung, die das Festival so lange geprägt hatte: Punkrock, Indie, Rap, Pop, Brass-Eskalation, elektronische Nebenflächen, Strand- und Beach-Action, Jägermeister-Kiez, Morning Rave, EDM-Fitness, Flunkyball-Turnier und nächtliche DJ-Sets. Zwischen Main Stage, Club Stage und Electric Beach entstand ein letztes Mal diese kleine Festivalstadt am Wasser, in der man tagsüber zwischen Badesee, Staub und Foodständen pendelte und abends vor den Bühnen die Stimme ruinierte. Und ja: Dieses letzte Highfield fühlte sich nicht nach leisem Auslaufen an, sondern nach einem Abschied mit Konfetti, Bass und ordentlich Restenergie.

Bierbabes

Bierbabes eröffneten den Donnerstag auf der Main Stage mit genau jener Mischung aus Partysound, Selbstironie und Feierlaune, die ein Festivalwochenende schnell auf Betriebstemperatur bringt. Ihre Musik funktionierte weniger über filigrane Feuilleton-Momente, sondern über direkte Ansage, Bass, Mitsingreflexe und diesen kollektiven „Wir sind jetzt angekommen“-Impuls. Gerade beim letzten Highfield war dieser frühe Slot mehr als nur ein lockerer Einstieg: Er half dabei, den Schalter von Alltag auf Ausnahmezustand umzulegen. Wer hier schon vor der Bühne stand, hatte den Abschied offensichtlich nicht auf Sonntag verschoben.

Drunken Masters

Drunken Masters übernahmen danach den elektronischen Teil des Donnerstags und machten aus der Main Stage zeitweise einen sehr großen Club mit Seeanschluss. Das DJ- und Produzenten-Duo steht für Bassmusik, Hip-Hop-Bezüge, Trap, EDM-Druck und Sets, die lieber eskalieren als elegant im Hintergrund laufen. Beim Highfield passte das hervorragend, weil der Donnerstag ohnehin nach Anreise, Wiedersehen und erstem Kontrollverlust schmeckte. Die Show war ein früher Hinweis darauf, dass dieses Festival nicht nur mit Gitarren groß geworden war, sondern auch mit Beats sehr ordentlich umgehen konnte.

Freitag

Adam Angst

Adam Angst setzten danach auf der Club Stage den schärferen Ton. Die Band um Felix Schönfuss steht für deutschsprachigen Punkrock mit Wut, Sprachwitz, gesellschaftskritischem Blick und einer Energie, die nicht um Erlaubnis bittet. Ihre Songs funktionieren wie sehr gut formulierte Tritte gegen Gleichgültigkeit, ohne dabei den Refrain zu vergessen. Beim Highfield brachte dieser Auftritt genau die richtige Portion Reibung in den Freitag: unbequem genug, um hängen zu bleiben, aber live druckvoll genug, um nicht zur reinen Kommentarspalte zu werden.

Giant Rooks

Giant Rooks lieferten am frühen Abend einen der großen Indie-Pop-Momente des Freitags. Die Band aus Hamm um Frederik Rabe, Finn Schwieters, Luca Göttner, Finn Thomas und Jonathan Wischniowski hat sich mit Songs wie „Wild Stare“, „Watershed“, „Morning Blue“ und „Tom’s Diner“ längst weit über die deutsche Indie-Blase hinausgespielt. Ihr Sound verbindet Art-Pop, Indie, große Melodien und internationale Leichtigkeit, ohne dabei glatt oder beliebig zu wirken. Am Störmthaler See passte das wunderbar: ein bisschen Sehnsucht, ein bisschen Weite, viel Stimme – und ein Publikum, das den Moment dankbar annahm.

PA69

PA69 sorgten anschließend auf der Club Stage für einen komplett anderen Aggregatzustand. Das Berliner Trio DJ Dope, Rabatto und Turbogianni steht für Tech-Rap, rosa Sturmhauben, Bass, Quatsch, politische Untertöne und eine Liveshow, die eher nach eskalierendem Kiosk als nach klassischem Rapkonzert aussieht. Mit Songs wie „Biertornado“, „Dance“ oder „Sonnenstich“ hatten sie genug Material dabei, um den Nachmittag kurzzeitig aus der Spur zu heben. Beim letzten Highfield war das herrlich drüber – albern, effektiv und genau die Sorte Wahnsinn, die Festivalprogramme davor bewahrt, zu brav zu werden.

BHZ

BHZ brachten danach Berliner Crew-Energie auf die Main Stage. Das Kollektiv aus Schöneberg, bekannt durch Mitglieder wie Longus Mongus, Ion Miles, Dead Dawg, Monk und Big Pat, steht für Cloudrap, Trap, Indie-Vibes, Melancholie und dieses lässige Durcheinander, das live erstaunlich gut zusammenhält. Ihre Songs wirken oft wie ein Abend mit Freundeskreis, Bass und sehr wenig Schlaf – und genau das machte ihren Auftritt am See so passend. Im letzten Highfield-Kontext fühlte sich BHZ weniger wie eine Rapshow an, sondern wie ein großes gemeinsames Durchatmen mit Beat.

Levin Liam

Levin Liam übernahm später die Club Stage und setzte einen deutlich intimeren Akzent. Der Hamburger Künstler bewegt sich zwischen Indie-Pop, Rap, Singer-Songwriter-Momenten und elektronischer Melancholie. Seine Musik klingt oft nach Sprachnachricht um halb zwei, nach Großstadt, Zweifel und leisen Refrains, die trotzdem im Kopf bleiben. Beim Highfield war das ein wohltuender Kontrast zum großen Main-Stage-Betrieb: weniger Abriss, mehr Nähe – und gerade dadurch eine starke Farbe im Abendprogramm.

SDP

SDP setzten den späten Freitagsschlusspunkt auf der Main Stage mit der gewohnten Mischung aus Pop, Rap, Rock, Ironie und erstaunlich viel Gefühl. Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin haben aus Songs wie „Die Nacht von Freitag auf Montag“, „Ich will nur dass du weißt“, „Ne Leiche“, „Tanz aus der Reihe“ oder „Unikat“ längst eine eigene Festivalformel gebaut. Beim Highfield funktionierte das wie erwartet: erst lachen, dann springen, dann plötzlich sehr textsicher sentimental werden. Für den letzten Festivalfreitag war das ein passender Abschluss, weil SDP genau wissen, wie man große Flächen unterhält, ohne die Zwischentöne komplett zu verlieren.

Samstag

Das Wetter blieb an beiden Tagen überwiegend sommerlich, trocken und staubig – also genau die Sorte Festivalbedingungen, bei denen Sonnenbrille und Trinkflasche fast so wichtig wurden wie die Running Order. Tagsüber forderten Wärme und wenig Schatten die Kondition, abends wurde es angenehmer und das Gelände kam in diesen typischen Highfield-Modus: staubige Schuhe, heisere Stimmen, viel Bewegung und noch mehr Vorfreude auf die nächsten Bühnenwechsel. Musikalisch boten Freitag und Samstag ein Brett mit sehr unterschiedlichen Geschmacksrichtungen – von Humor und Hymnen über melodischen Pop bis hin zu technischer Brutalität, Piratenparty und progressiver Melancholie.

ZSK

ZSK eröffneten den Samstag auf der Main Stage mit politischem Punkrock und direkter Ansprache. Die Berliner Band steht seit Jahren für Antifaschismus, klare Haltung, schnelle Gitarren und Songs, die sich nicht hinter Andeutungen verstecken. Ihre Musik ist Punkrock als Ansage, aber eben auch als Gemeinschaftsgefühl – laut, verständlich und mit deutlich erhobener Faust. Beim letzten Highfield wirkte dieser frühe Slot wie ein Weckruf: Der Samstag mochte heiß und staubig sein, aber gleichgültig wurde er sicher nicht.

Yung Pepp

Yung Pepp brachte danach auf der Club Stage neuen deutschen Rap mit jungem Tonfall und viel Gegenwartsgefühl ins Spiel. Seine Musik bewegt sich zwischen Rap, melodischen Parts, Popnähe und einer Energie, die stark aus Streaming- und Social-Media-Gegenwart kommt. Auf einem Festival wie dem Highfield funktionierte das als frischer Kontrast zu den gestandenen Punk- und Indie-Acts. Der Auftritt zeigte, wie selbstverständlich junge Rap-Entwürfe inzwischen in Line-ups stehen, die früher deutlich stärker gitarrenlastig gelesen wurden.

Querbeat

Querbeat machten anschließend aus der Main Stage eine große Brass-Pop-Parade. Die Kölner Großformation steht für Bläserdruck, Pop, Karneval, Funk, Reggae, Hip-Hop-Anleihen und eine Live-Energie, die selbst bei Hitze zuverlässig in die Beine geht. Mit Songs wie „Guten Morgen Barbarossaplatz“, „Nie mehr Fastelovend“, „Randale & Hurra“ oder „Hoch“ haben sie sich von der Karnevals-Ecke längst zur bundesweiten Festivalmaschine entwickelt. Am Störmthaler See sorgten sie für genau den Moment, in dem viele müde Gesichter plötzlich wieder nach vorne gingen – Bläser an, Sorgen aus.

Vicky

Vicky setzte auf der Club Stage einen selbstbewussten, provokanten Rap- und Pop-Akzent. Die in Wien aufgewachsene und in Berlin lebende Künstlerin steht für kompromisslose Beats, freche Ansagen und Texte über Körperbilder, Doppelmoral und Selbstbehauptung. Ihre Musik funktioniert nicht als höfliche Hintergrundbeschallung, sondern als klare Platznahme mit Bass. Beim letzten Highfield war das ein kurzer, wacher Gegenentwurf zum gemütlichen Festivalmodus: direkt, laut und erfreulich ungezähmt.

Zartmann

Zartmann brachte am späten Nachmittag deutschen Pop und Rap mit weichem, aber sehr gegenwärtigem Druck auf die Main Stage. Der Berliner Künstler verbindet Indie-Pop, Rap, Songwriter-Gefühl und elektronische Leichtigkeit zu Songs, die nach Nachtbus, Großstadt und Liebeskummer mit Sonnenbrille klingen. Mit „Wie du manchmal fehlst“, „Ein Anruf entfernt“ oder „Eehhhyyy“ hatte er sich in kurzer Zeit vom Geheimtipp zu einem der auffälligeren neuen deutschsprachigen Acts entwickelt. Beim Highfield traf sein Sound den richtigen Nerv: nicht überinszeniert, aber melodisch stark und nah genug, um im großen Gelände nicht zu verpuffen.

Raum 27

Raum27 brachten auf der Club Stage Indie-Pop aus Bremerhaven mit, der am Störmthaler See fast schon küstentauglich wirkte. Das Duo steht für Coming-of-Age-Texte, Gitarrenpop, Melancholie und diese rau-warme Direktheit, die ohne große Geste hängen bleibt. Songs wie „Sommerregen“, „Plattenbaum“ oder „Anfangen Anzufangen“ hatten ihnen längst eine wachsende Fanbase eingebracht. Im Highfield-Abschiedskontext klang das angenehm ehrlich: keine große Pathos-Keule, sondern ein Set, das über Stimmung, Nähe und gute Refrains funktionierte.

Dropkick Murphys

Dropkick Murphys brachten danach Boston, Dudelsack und Punkrock auf die Main Stage. Die Band um Ken Casey steht seit Jahrzehnten für Celtic Punk, Arbeiterklassenpathos, Mitsingchöre und diese Energie, bei der man spätestens nach dem zweiten Refrain fremde Menschen wie alte Freunde behandelt. Mit „I’m Shipping Up to Boston“, „Rose Tattoo“, „The State of Massachusetts“ oder „The Boys Are Back“ hatten sie genügend Hymnen dabei, um das Gelände in eine sehr große Kneipe mit Seeanschluss zu verwandeln. Am letzten Highfield-Samstag passte diese Mischung aus Stolz, Schweiß und Gemeinschaft hervorragend – laut, herzlich und komplett unfähig zu falscher Zurückhaltung.

Ritter Lean

Ritter Lean brachte anschließend auf der Club Stage eine andere Form von Eskalation: Rap, Indie, Pop, Moshpit-Energie und sehr viel junge Unruhe. Seine Musik lebt von Brüchen, Selbstzweifel, Abfahrt und einem Sound, der nicht genau wissen will, ob er gerade Rapshow oder Indie-Abriss ist. Beim Highfield funktionierte das gut, weil das Publikum für solche Zwischenräume längst offen war. Der Auftritt war nicht glatt, aber genau deshalb spannend – ein Slot mit Bewegung, Kante und dieser leichten Überforderung, die live oft ziemlich gut wirkt.

01009

01099 brachten den Abend auf der Main Stage mit Dresdner Leichtigkeit in Bewegung. Das Kollektiv um Gustav, Zachi, Paul und Dani steht für Rap, Indie-Pop, elektronische Beats und Alltagsromantik, die oft nach Fahrradwegen, Sommer und langen Nächten klingt. Mit „Frisch“, „Durstlöscher“, „Dies & Das“, „Tempo“ oder „Jacke zu“ haben sie sich zu einer festen Größe der deutschen Streaming- und Festivalwelt entwickelt. Beim letzten Highfield wirkte ihr Set wie ein musikalischer Sonnenuntergang: locker, melodisch und gemeinschaftlich, ohne sich zu sehr anzustrengen.

Das Lumpenpack

Das Lumpenpack setzten später auf der Club Stage ihren ganz eigenen Haken zwischen Humor, Pop, Punk und Alltagsbeobachtung. Max Kennel und Jonas Meyer haben längst bewiesen, dass intelligente Albernheit und große Mitsingmomente keine Gegensätze sein müssen. Mit Songs wie „Hauch mich mal an“, „WZF?!“ oder „Guacamole“ bringen sie Bühnen zum Lachen, Singen und gelegentlich zum Stirnrunzeln – im besten Sinne. Auf dem Highfield war ihr Auftritt ein herrlicher Gegenpol zu Pathos und Abschiedswehmut: klug, bekloppt, sympathisch und trotzdem musikalisch auf den Punkt.

Kraftklub

Kraftklub beschlossen den Samstag auf der Main Stage mit genau jener Mischung aus Indie-Rock, Rap, Punk-Energie und ostdeutscher Großmaulpoesie, die sie seit Jahren zu einer der wichtigsten deutschen Festivalbands macht. Die Chemnitzer um Felix Brummer, Karl Schumann, Till Brummer, Steffen Israel und Max Marschk haben mit „Songs für Liam“, „Ich will nicht nach Berlin“, „Schüsse in die Luft“, „Chemie Chemie Ya“, „Ein Song reicht“ oder „Randale“ längst einen Katalog, der Festivalflächen zuverlässig in Bewegung setzt. Beim letzten Highfield bekam diese Show zusätzliche Fallhöhe: Kraftklub klangen nicht nur nach Headliner, sondern nach Schlussakkord eines Ortes, der vielen viel bedeutet hatte. Das war laut, clever, emotional und genau der richtige Abriss für einen Samstag, der sich wie ein letztes großes Aufbäumen anfühlte.

Sonntag

er Sonntag beim letzten Highfield Festival begann mit diesem eigenartigen Mix aus Restenergie, Sonnencreme, Staub und Abschiedsstimmung. Nach drei Tagen am Störmthaler See war vielen anzusehen, dass das Wochenende Spuren hinterlassen hatte – aber eben auf die gute Art: heisere Stimmen, müde Beine und trotzdem dieses „einmal noch“-Funkeln in den Augen. Das Wetter blieb sommerlich und fordernd, der Staub hing weiter über dem Gelände, und trotzdem zog es die Menge noch einmal zuverlässig vor die Bühnen. Musikalisch setzte der Abschlusstag auf genau jene Mischung, die das Highfield über Jahre ausgemacht hatte: Punk, Indie, Rap, Pop, Haltung, große Refrains und zum Schluss eine Band, die wie kaum eine andere für Festivalabriss mit Berliner Schnauze steht.

Montreal

Montreal brachten danach auf der Main Stage Punkrock mit Hamburger Herz und gut geölter Live-Routine. Die Band um Hirsch, Yonas und Max Power steht seit Jahren für deutschsprachigen Punkrock, Alltagshumor, klare Refrains und eine charmante Mischung aus Kumpelhaftigkeit und Kante. Songs wie „Katharine, Katharine“, „Endlich wieder Discozeit“, „U-Bahnlinie 2“ oder „Was wir haben“ haben der Band längst einen festen Platz im deutschsprachigen Punk-Kosmos gesichert. Auf dem Highfield passte ihr Sound wunderbar in den frühen Nachmittag: direkt, melodisch, sympathisch und mit genug Schub, um müde Festivalkörper wieder in Bewegung zu bringen. Montreal lieferten keinen Pathos-Brocken, sondern genau das, was sie können: ehrlichen Punkrock mit Grinsen und Gitarren.

Kavka

Kafvka setzten anschließend auf der Club Stage einen deutlich politischeren Akzent. Die Berliner Band verbindet Rap, Punk, Rock und klare gesellschaftliche Haltung zu einem Sound, der nicht nur unterhalten, sondern auch wachrütteln will. Mit Songs wie „Alle hassen Nazis“, „Benzin“ oder „Paroli“ hatten sie längst bewiesen, dass Wut, Groove und Mitsingmomente sehr gut zusammenpassen können. Beim letzten Highfield wirkte dieser Auftritt besonders passend, weil Kafvka nicht in Abschiedsromantik badeten, sondern den Sonntag mit klarer Ansage und ordentlich Druck versorgten. Das war kein höfliches Nebenbühnen-Set, sondern ein politischer Verstärker mit Festivalzulassung.

$ohoBani

$oho Bani brachte danach auf der Main Stage eine sehr eigene Mischung aus Rap, Pop und lässiger Straßenromantik ins Programm. Der Berliner Künstler steht für einen Sound zwischen Cloudrap, Indie-Anleihen, Autotune-Melancholie und Berliner Schnodderigkeit, der zugleich locker und erstaunlich präzise wirkt. Mit Songs wie „Zeit, dass sich was dreht“, „Mr. Meyer“ oder „Olympia“ hatte er sich längst in den deutschen Streaming- und Festivalwelten festgesetzt. Am Störmthaler See funktionierte das gut, weil $oho Bani nicht auf übergroße Gesten angewiesen war, sondern Stimmung und Sprache für sich arbeiten ließ. Sein Set klang nach Gegenwart, Großstadt und Festivalnachmittag mit leicht schiefer Sonnenbrille.

Nura

Nura übernahm anschließend die Club Stage und brachte Rap, Pop, R&B und klare Haltung auf den Punkt. Bekannt geworden als Teil von SXTN, hat sie sich solo längst eine eigene Position erarbeitet: frech, selbstbewusst, direkt und mit einem guten Gespür für Hooks. Ihre Musik lebt von Ansagen, Humor, Körperlichkeit und dieser Bühnenpräsenz, die keine Erlaubnis braucht. Beim Highfield war Nura ein willkommener Gegenpol zwischen Gitarrenbands und größeren Popmomenten. Sie zeigte einmal mehr, dass Rap auf Festivalbühnen nicht nur funktionieren kann, sondern dort längst selbstverständlich hingehört.

Feine Sahne Fischfilet

Feine Sahne Fischfilet brachten am frühen Abend die Main Stage endgültig auf Betriebstemperatur. Die Band aus Mecklenburg-Vorpommern um Sänger Monchi steht für Punkrock, politische Kante, Bläser, Arbeiterverein-Pathos und Refrains, die nicht gesungen, sondern gemeinsam herausgebrüllt werden wollen. Mit Songs wie „Komplett im Arsch“, „Warten auf das Meer“, „Zuhause“, „Alles auf Rausch“ oder „Mit dir“ haben sie sich längst zu einer der wichtigsten deutschen Festivalbands entwickelt. Beim letzten Highfield bekam diese Energie noch einmal eine besondere Aufladung: viel Gemeinschaft, viel Schweiß, viel Haltung und ein Publikum, das jede Zeile dankbar zurückwarf. Feine Sahne Fischfilet spielten nicht einfach ein Konzert, sie machten den Sonntag kurz zur politischen Punkrock-Vollversammlung mit Pogo.

Deine Cousine

Deine Cousine brachte danach auf der Club Stage Rock, Punk-Attitüde und sehr viel Bühnenenergie ins Spiel. Hinter dem Projekt steht Ina Bredehorn, die mit ihrer Band deutschsprachigen Rock spielt, der nach klarer Ansage, St. Pauli, Schweiß und direkter Verbindung zum Publikum klingt. Songs wie „Attacke“, „St. Pauli“, „Bang Bang“ oder „Echte Freunde“ zeigen, worum es geht: große Energie, klare Worte und keine Lust auf angezogene Handbremse. Beim Highfield wirkte Deine Cousine wie ein dringend benötigter Stromstoß zwischen den großen Main-Stage-Momenten. Der Auftritt war laut, nahbar und so direkt, dass man kaum Gelegenheit hatte, müde zu bleiben.

Marteria

Marteria sorgte anschließend auf der Main Stage für einen der großen emotionalen Rap-Momente des Sonntags. Marten Laciny verbindet als Marteria seit Jahren Rap, elektronische Flächen, Pop-Refrains, Ostsee-Sehnsucht und Festival-Euphorie zu einem eigenen Sound zwischen Abriss und Nachdenklichkeit. Mit „Lila Wolken“, „Kids“, „OMG!“, „Verstrahlt“, „Niemand bringt Marten um“ oder „Welt der Wunder“ hatte er genug Material dabei, um das Gelände großflächig mitzunehmen. Beim letzten Highfield passte diese Mischung besonders gut, weil Marteria zugleich feiern und innehalten kann. Seine Show war nicht nur Rapkonzert, sondern ein gemeinsamer Blick zurück, nach vorn und zwischendurch sehr weit in den Himmel über dem Störmthaler See.

Dilla

Dilla brachte später auf der Club Stage einen modernen Pop- und Rap-Moment mit viel Gegenwartsgefühl. Die Berliner Künstlerin steht für eine Mischung aus Indie-Pop, Rap, elektronischen Sounds und einer emotionalen Direktheit, die zwischen Leichtigkeit und Überforderung pendelt. Ihre Songs wirken oft so, als würden sie gerade aus einem Chatverlauf, einer Nachtfahrt oder einem zu langen Gedanken entstehen. Auf dem Highfield funktionierte das als frischer, urbaner Kontrast zum großen Gitarren- und Rap-Programm des Abends. Dilla spielte nicht auf maximalen Abriss, sondern auf Atmosphäre, Stimme und diesen leicht flirrenden Sound einer jungen deutschen Popgeneration.

Beatsteaks

Die Beatsteaks setzten schließlich den großen Schlusspunkt unter den Sonntag – und damit auch unter das letzte Highfield Festival in dieser Form. Die Berliner um Arnim Teutoburg-Weiß, Bernd Kurtzke, Peter Baumann, Thomas Götz und Torsten Scholz stehen seit Jahrzehnten für Punkrock, Alternative, Indie, Reggae-Momente, große Refrains und eine Live-Energie, die nie nach Routine klingt. Mit „Hand in Hand“, „I Don’t Care As Long As You Sing“, „Jane Became Insane“, „Let Me In“, „Hello Joe“ oder „Milk & Honey“ haben sie deutsche Festivalgeschichte geschrieben. Am Störmthaler See fühlte sich dieser Auftritt wie ein würdiger letzter Tanz an: laut, herzlich, schweißtreibend und mit genau der richtigen Mischung aus Abriss und Wehmut. Die Beatsteaks machten nicht viele Worte nötig – sie spielten, als müsste man ein ganzes Festival noch einmal in einem Set verabschieden.

Von Donnerstag bis Sonntag zeigte das Highfield Festival 2026 noch einmal, warum es am Störmthaler See so lange funktioniert hatte. Zwischen Bierbabes und Drunken Masters, Itchy und SDP, ZSK und Kraftklub spannte sich ein Bogen aus Punk, Pop, Rap, Brass, Indie, Elektro und jeder Menge Festivalgemeinschaft. Die Hitze machte das Wochenende anstrengend, der Staub rieb sich in Schuhe und Erinnerung, aber die Stimmung blieb bis zum Ende stark. Vielleicht war genau das der passende Abschied: kein stilles Verlöschen, sondern ein letzter Tanz mit sehr viel Bass, sehr vielen Stimmen und dem Gefühl, dass hier gerade ein großes Kapitel zuging.