Mit dem Hellfest Open Air in Clisson verwandelt sich die beschauliche Kleinstadt südlich von Nantes jedes Jahr in die europäische Hauptstadt des Metal. Zur 19. Ausgabe des Festivals spielen vom 18. bis 21. Juni 2026 mehr als 180 Bands auf sechs Bühnen erwartet. Die Tickets waren bereits lange vor Festivalbeginn vergriffen – ein weiteres Zeichen für die ungebrochene Anziehungskraft des größten Metal-Festivals Frankreichs. Zu den Besonderheiten der diesjährigen Ausgabe zählen zahlreiche Erstauftritte auf dem Gelände sowie ein hochkarätig besetztes Line-up mit internationalen Größen aus Metal, Hard Rock und Punk.
Mittwoch
Auch wir haben uns wieder auf den „Höllenritt“ der ca. 1500 km langen Anreise aus Norddeutschland gemacht und erreichen Clisson am Mittwoch. Für viele Fans beginnt das Hellfest längst nicht erst am Donnerstag. Bereits Tage vorher füllt sich Clisson mit tausenden anreisenden Festivalbesuchern. Während auf dem Campingplatz die ersten Zelte aufgebaut werden und sich die Warteschlangen an den Eingängen bilden, herrscht auch außerhalb des eigentlichen Festivalgeländes bereits ausgelassene Stimmung. Einen festen Platz im Vorprogramm hat mittlerweile das „Hellfest Le Off by Leclerc“, das auf dem Parkplatz des örtlichen E.Leclerc-Supermarktes stattfindet. Bei freiem Eintritt sorgen dort regionale und internationale Metalbands auf zwei Bühnen für die passende Einstimmung auf das lange Festivalwochenende. Ergänzt wird das Programm durch Foodtrucks, Verkaufsstände und verschiedene Aktionen, die den Parkplatz für zwei Tage in einen eigenen kleinen Festivalbereich verwandeln.
Das eigentliche Hellfest-Gelände gehört zu den eindrucksvollsten Festivalarealen Europas. Zwischen monumentalen Skulpturen, Flammeninstallationen, detailreichen Dekorationen und den charakteristischen Bühnenwelten entsteht eine einzigartige Kulisse, die weit über ein klassisches Konzertgelände hinausgeht. Über die Jahre hat sich das Areal zu einer regelrechten Erlebniswelt entwickelt, in der sich Festivalbesucher selbst nach den Konzerten noch stundenlang auf Entdeckungstour begeben können.
So steht der Mittwoch in Clisson ganz im Zeichen der Ankunft: Wiedersehen mit Freunden aus aller Welt, erste Einkäufe im benachbarten Supermarkt, das Einrichten des Camps und die ersten Konzerte beim Warm-up auf dem Leclerc-Parkplatz. Noch bevor die ersten offiziellen Töne auf den Bühnen des Hellfest erklingen, ist die besondere Atmosphäre des Festivals bereits überall in der Stadt spürbar.
Für Aufsehen sorgte auch der Auftritt von Medusa Hendricks auf der Hell Stage in der Hell City, dem Vorgelände des eigentlichen Festivalgeländes. Mit einer provokanten Mischung aus Burlesque, Performance-Kunst und schwarzem Humor zog sie das Publikum schnell in ihren Bann. Besonderes Augenmerk galt ihrer spektakulären Einlage mit einem Trennschleifer, die den ohnehin ungewöhnlichen Striptease zu einer der meistdiskutierten Darbietungen des Warm-up-Tages machte.
Donnerstag
Der erste offizielle Festivaltag des Hellfest 2026 begann mit viel Sonne, Staub und gewohnter Energie. Allerdings meint es das Wetter etwas zu gut und wir sehen uns Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad ausgesetzt. Unsere persönliche Auswahl des ersten Festivaltages:
Truckfighters eröffneten den Tag auf der Valley Stage mit wuchtigem Stoner Rock, der sofort eine dichte, vibrierende Klangwand aufbaute. Besonders beeindruckend war, wie mühelos die Band auch früh am Tag schon große Druckmomente erzeugte. Das Publikum ließ sich direkt mitziehen und war erstaunlich schnell im Festivalmodus angekommen.
Elder spielten anschließend ebenfalls auf der Valley Stage ein deutlich komplexeres, atmosphärisches Set. Ihre Stücke entwickelten sich langsam, mit langen Spannungsbögen zwischen ruhigen Passagen und ausgedehnten instrumentalen Eskalationen. Dadurch entstand ein fast immersives Hörerlebnis, das viel Aufmerksamkeit forderte, aber auch entsprechend belohnte. Gerade die dynamischen Wechsel machten den Auftritt besonders intensiv.
The Pretty Reckless traten danach auf der Mainstage 01 auf und brachten modernen, eingängigen Hard Rock mit klarer Pop-Kante ins Programm. Taylor Momsen stand dabei stark im Mittelpunkt und führte die Band mit viel Präsenz und Energie durch das Set. Die Songs setzten auf direkte Hooks und große Refrains, die schnell Wirkung zeigten. Im Vergleich zu den vorherigen Acts entstand so ein sehr zugänglicher, aber dennoch druckvoller Kontrast.
Deep Purple folgten auf der Mainstage 02 und lieferten klassischen Hard Rock mit jahrzehntelanger Geschichte. Die Band wirkte routiniert, aber keineswegs statisch, sondern überraschend spielfreudig und präsent. Besonders die bekannten Songs wurden mit viel Erfahrung und spürbarer Routine, aber auch hörbarer Leidenschaft umgesetzt. Die instrumentalen Passagen zeigten einmal mehr die musikalische Klasse der Band. Herausragend der 2022 eingestiegene Simon McBride an der Gitarre!
Uncle Acid and the Deadbeats spielten auf der Valley Stage und setzten auf eine düstere, reduzierte und hypnotische Atmosphäre. Ihr Sound lebte von repetitiven Strukturen und einer bewusst roh gehaltenen Ästhetik, die sich langsam im Publikum festsetzte. Große Gesten blieben aus, stattdessen entstand eine dichte, fast tranceartige Stimmung. Der Auftritt wirkte dadurch wie ein bewusster Gegenpol zu den großen Mainstage-Shows.
Kadavar beendeten unseren Festivaltag ebenfalls auf der Valley Stage mit energiegeladenem Heavy Rock. Die Band setzte auf eine Mischung aus direkten, treibenden Riffs und psychedelisch aufgelockerten Passagen. Besonders im Finale zog das Tempo noch einmal spürbar an und brachte die letzte Energie des Tages auf die Bühne. So entstand ein kraftvoller Abschluss, der den ersten Festivaltag konsequent abrundete.