Nach 26 Jahren ging am vergangenen Wochenende auf Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr eine Ära zu Ende: Das Castle Rock Festival öffnete ein letztes Mal seine Tore und verabschiedete sich mit einem Wochenende voller mitreißender Konzerte, emotionaler Momente und bewegender Abschiede.

Bereits der Freitag machte deutlich, dass dieses Festivalfinale etwas Besonderes werden würde. Die Eröffnung übernahm Die Legende von Nord, die das Publikum vom ersten Ton an in ihren Bann zog. Frontmann Emanuel Wallat suchte dabei immer wieder die Nähe zu den Fans, sprang kurzerhand in den Bühnengraben und verteilte Rosen an die Zuschauer – eine Geste, die für große Begeisterung sorgte.

Für ein weiteres außergewöhnliches Bild sorgte Snow White Blood. Während ihres Auftritts regnete es Fake-Geldscheine über das Publikum und unterstrich die energiegeladene Show der Symphonic-Metal-Band. Den Abschluss des ersten Festivaltages übernahm Nachtblut, die mit ihrer gewohnt kraftvollen Performance einen würdigen Schlusspunkt unter den Freitag setzten.

Der Samstag begann mit Eigensinn, die das Publikum auf den zweiten und zugleich letzten Festivaltag einstimmten. Im Anschluss sorgte Heimataerde für eine eindrucksvolle Inszenierung: Sänger Ashlar von Megalon trank während der Show aus einem Kelch mit Kunstblut – ein Bild, das perfekt zur düsteren Atmosphäre der Band passte.

Neben der Musik setzte Haggefugg auch ein wichtiges gesellschaftliches Zeichen. Die Band nutzte ihren Auftritt, um auf das Thema Depressionen aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit dem Publikum erhoben sie die Hände – als Symbol für all jene, die bereit sind, anderen Menschen aufzuhelfen und ihnen in schweren Zeiten beizustehen. Ein bewegender Moment, der weit über die Musik hinausging.

Die größten Emotionen sollten jedoch erst noch folgen. Kurz vor dem Auftritt des Headliners bat Veranstalter Michael Bohnes sein gesamtes Organisationsteam auf die Bühne. Jeden einzelnen stellte er namentlich vor und ließ die Menschen feiern, die über Jahrzehnte hinweg im Hintergrund dafür gesorgt hatten, dass das Castle Rock Festival Jahr für Jahr stattfinden konnte.

Doch damit nicht genug: Eine Gruppe von Festivalfotografen betrat anschließend die Bühne und überreichte Michael Bohnes ein umfangreiches Fotoalbum mit Erinnerungen aus den vergangenen Jahren. Sichtlich gerührt rang er mit den Tränen – ein Moment, der wohl vielen Anwesenden unter die Haut ging.

Den krönenden Abschluss übernahmen Lord of the Lost. Die Hamburger lieferten ein mitreißendes Set ab und bewiesen einmal mehr, warum sie zu den erfolgreichsten deutschen Rock-Acts der Gegenwart gehören. Kurz vor dem Ende ihres Auftritts holten sie Michael Bohnes erneut auf die Bühne. Dort überreichten sie ihm einen besonderen Preis, den sie selbst erhalten hatten und in den sie seinen Namen eintragen ließen – als Zeichen ihrer Wertschätzung. Die Band bedankte sich ausdrücklich bei Michael Bohnes, seinem Team und dem Castle Rock Festival. Ohne ihren unermüdlichen Einsatz, so die Musiker, wäre ihre eigene Geschichte in dieser Form nicht möglich gewesen.

Spätestens in diesem Moment konnte Michael Bohnes seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Tief bewegt bedankte er sich und forderte Lord of the Lost auf, für die allerletzten Songs noch einmal alles zu geben.

Mit einem tosenden Finale, Standing Ovations und unzähligen emotionalen Abschiedsmomenten endete schließlich das Castle Rock Festival – nach 26 Jahren voller Musik, Gemeinschaft und unvergesslicher Erinnerungen. Was bleibt, ist die Gewissheit, dass dieses Festival für viele Besucher weit mehr war als nur eine Konzertveranstaltung. Es war über mehr als zwei Jahrzehnte ein Zuhause für die schwarze Szene – und wird genau so in Erinnerung bleiben.