Schneller als ein Dosenbier warm wird, rollten ab Mittwoch, den 16. Juni 2025, die ersten Camper über das weitläufige Gelände des Flugplatzes Nordholz zur diesjährigen, 20. Jubiläumsausgabe vom Deichbrand Festival. Während die Sonne sich überraschend kooperativ zeigte und die Anreise mit bester Laune und schnell aufsteigendem Grillgeruch in der Luft über die Bühne ging, startete das musikalische Warm-up am Donnerstagabend (17. Juni) mit Acts wie Beauty and the Beats, Bunt., Blackout Problems, Stick to Your Guns – und der Erkenntnis, dass Campingstühle längst Festivalthronstatus haben.
Am Freitag (18. Juni) ging’s dann mit dem Programm aber so richtig los: In der coolen „Action World“ mit Baggern, Raupen und Großmaschinen fahren in einer Sandkuhle, mit dem Helikopter über das Gelände fliegen, im riesigen Pool baden, Riesenrad fahren oder auch nur eine schöne, ausgiebige Dusche im Showerland genießen – neben musikalischen Highlights konnten knapp 60.000 Besucher am Freitag beim Deichbrand richtig was erleben – allerdings gegen Bezahlung. Kostenlos hingegen waren jede Menge Angebote der Sponsoren, mit kleinen Geschenken, Spielen oder lauschigen Plätzchen … aber es wurde auch gebastelt, geschminkt und natürlich aufgeklärt, in dem gemeinnützige Organisationen ihre Arbeiten und Projekte vorstellen konnten (z. B. Medical Volunteers International e.V. mit humanitärer Hilfe in Europa und an den europäischen Außengrenzen oder DeinTopf e.V., einer sozialen Ausgabestelle für obdachlose und armutsbetroffene Menschen in Hamburg).
Der Vormittag bestand aber auch aus Bier-Yoga, Workshops, Aquagymnastik oder einfach einem entspanntem Tagesstart, bevor es losging mit den ersten Bands, darunter u.a. Le Fly, Versengold, Rogers, Picture This, Paula Hartmann, Frank Turner & The Sleeping Souls, Ennio – ehe der Abend mit Headliner-Gewitter in Form von Montez, Kontra K, Deichkind und am Ende mit Timmy Trumpet endgültig eskalierte – unter einem Himmel, der sich erst wolkig am Mittag gab, dann aber Gnade walten ließ und sich als richtig heißer Sommertag entpuppte. Was das Deichbrand 2025 schon in den ersten drei Tagen zeigte: Hier traf Nordsee-Charme auf Moshpit-Energie, Zeltplatz-Chaos auf Bühnenspektakel – und das alles mit ziemlich viel Liebe und Energie.
Le Fly
Mit jeder Menge Hamburger Schnack eröffnete Le Fly am Freitagmittag die Water Stage beim Deichbrand Festival 2025 – und verwandelte den Acker in Sekunden zur Tanzfläche. Ihre explosive Mischung aus Rap, Rock, Ska und Funk – selbsternannt als „St. Pauli Tanzmusik“ – sorgte für kollektives Wachwerden mit Moshpit-Garantie. Schließlich kennen sich die Jungs hier auch aus, sind zum wiederholten Male Gast auf dem Deichbrand. Ihre Songs trafen mit Brass-Power und Wortwitz direkt ins Festivalherz. Le Fly bewiesen einmal mehr, dass sie live eine Naturgewalt sind – sympathisch, schweißtreibend, immer für eine Überraschung gut. Wer da noch müde war, hat definitiv das lauteste Wecksignal des Tages verpasst.
Versengold
Versengold haben danach auf der Fire Stage wortwörtlich ein Feuerwerk gezündet – mit Pyro, Konfettikanonen und jeder Menge Mittelalter-Folk-Power. Ihre Mischung aus traditionellen Instrumenten, modernen Arrangements und ehrlichen Texten brachte das Publikum trotz Mittagshitze zum kollektiven Hüpfen. Ihre Setlist und Spielfreude zeigte, warum sie längst zu den festen Größen der deutschsprachigen Festivalbühnen gehören. Die Band überzeugte mit Humor und einer Nähe zum Publikum, die selten so authentisch wirkt. Wer hier nicht klatschte, tanzte oder grölte, war entweder taub – oder beim falschen Festival.
Ennio
Ennio präsentierte sich auf der Water Stage als Mischung aus tiefem Timbre und emotionalem Indie‑Pop, der live intensiver wirkte als auf den Spotify-Playlisten. Seine Songs glänzten mit einprägsamen Lyrics, die ihm bereits New Music Award 2022 und restlos ausverkaufte Tourneen eingebracht haben. Auf der Bühne überzeugte Ennio mit charismatischer Präsenz, mal lakonisch, mal euphorisch – die Crowd hing förmlich an seinen Zeilen. Kein Wunder, dass er schon bei vielen Festivals und natürlich beim Deichbrand selbst die Massen mit seiner tiefen Stimme und Groove-Power elektrisiert hat. Ennio war mehr als Bühnenkitsch – er erzählte große Geschichten in Indie‑Gewand, weshalb sein Deichbrand‑Auftritt auch etwas fürs Festival‑Herz war.
Frank Turner & The Sleeping Souls
Rogers
Rogers haben am Freitag im Palastzelt beim Deichbrand Festival 2025 voll aufgedreht und zeigten, dass ehrlicher Deutschpunk auch im Festivalzirkus noch eine klare Kante hat. Mit treibenden Gitarren, politischen Texten und einer rotzig-sympathischen Bühnenpräsenz rissen sie das Zelt von der ersten Minute an mit. Alle ihre Songs der Setlist wurden lauthals mitgegröhlt und bewiesen, warum die Düsseldorfer längst mehr als ein Geheimtipp sind. Die Show war ein Aufschrei mit Haltung, Schweiß und Circle Pit – genau das, was Punk im Jahr 2025 braucht. Wer drin war, weiß: Rogers liefern live nicht nur Lärm, sondern eine klare Botschaft mit Vollgas.
Paula Hartmann
Paula Hartmann brachte der Water Stage nicht nur bittersüße Poesie, sondern brachte auch die norddeutsche Seeluft zum Schwingen. Zwischen Nebelmaschine und Neonlicht lieferte die Musikerin eine Show, die irgendwo zwischen Kiez-Melancholie und Pop-Groove pendelte. Ihre Mischung aus Storytelling, Trap-Beats und cineastischer Ästhetik macht sie längst zur festen Größe im deutschsprachigen Pop, Spotify-Millionenstreams inklusive. Live wirkte sie zugleich nahbar und mysteriös – wie eine Hauptfigur aus einem melancholischen Coming-of-Age-Film, die sich auf die Bühne verirrt hat. Als Überraschungs-Gast kam Musiker und Schauspieler Levin Liam mit auf die Bühne, um den gemeinsamen Song „Crossfades“ live zu performen. Wer Paula Hartmann nicht gesehen hat, war entweder zu spät dran oder hängt noch beim Soundcheck der Jugend von gestern.
Montez
Montez stieg am frühen Abend auf die Fire Stage und brachte mit seinem rauen Rap‑Sound frischen Nordseewind in die Abendstimmung – eine Atmosphäre, die live noch intensiver wirkt als auf dem neuesten Studioalbum „Pass auf mein Herz auf“ (2024). Der Bielefelder schrieb seine ersten Verse mit 13, brachte es mit „Auf & ab“ (2021) sogar auf Platz 1 der deutschen Charts und sicherte sich zudem prestigeträchtige Preise wie „Newcomer des Jahres“ – echte Hip‑Hop‑Credibility. Auf der Bühne fesselte Montez die Crowd mit erdiger Authentizität, cleveren Wortspielen und einem rundum tightem Live‑Sound – da vibrierte der ehemalige Flugplatzboden direkt mit. Seine persönliche Energie und die emotionale Tiefe der Stücke aus sechs Studioalben gaben dem Auftritt Herz und Seele – quietschende Gitarren oder Big‑Stage‑Beats sucht man hier vergeblich, stattdessen ehrliche Geschichten und authentische Wucht. Montez zeigte eindrucksvoll, warum er einer der interessantesten Rap‑Köpfe Deutschlands ist – mit Tiefgang, Hit‑Potenzial und echter Festival‑Power.
Kontra K
Kontra K bewies wieder einmal (er ist 2023 schon hier gewesen), dass harter Rap und ein nordisches Sommerfestival gut zusammen passen: Sein Auftritt schlug kraftvoll ein. Mit seiner Mischung aus Straßenrap, Motivationshymnen und Live-Band-Backing brachte er das Publikum zwischen Moshpit und Mitgrölen ordentlich ins Schwitzen. Hits wie „Erfolg ist kein Glück“, „Warnung“ und „Letzte Träne“ sorgten für Gänsehaut und geballte Fäuste in der Luft. Kontra K’s Energie, Bühnenpräsenz und musikalische Wucht passten wieder einmal gut ins Line-up. Besonders war seine Show durch seine direkte Art, seinen unverkennbaren Drive und die nahtlose Verbindung von Beats, Band und Botschaft. Mit dem neu kommenden Album „Augen träumen Herzen sehen“, wird Kontra K wieder klarmachen, dass er längst genreübergreifend funktioniert – und live sowieso.
Deichkind
Deichkind zündeten als Headliner auf der Fire Stage ein spektakuläre Show aus Hip‑Hop, Electro und anarchischem Stage‑Theater – die ultimative “Kindergeburtstag für Erwachsene”-Live-Experience. Die Hamburger Tech‑Rap-Instanz bewies, warum Hits wie „Bück Dich hoch“ oder „Leider geil“ seit Jahren nicht aus den Playlists wegzudenken sind. Mit ihren patentierten Tetraeder-Hüten, überdimensionalen Props witzigen Chorepgraphien holten sie das Publikum direkt ins Zentrum der Party. Die Show war eine Präzision aus Humor, Provokation und Mitmach-Eskapaden – keine Sekunde wurde das Deichbrand-Publikum zur reinen Beobachterrolle degradiert. Rhythmisch pulsierte der Festivalplatz zwischen scharfen Rap-Parts und bassintensivem Elektropunk. Deichkind lieferten am Freitagnacht eine Show, die charmant chaotisch, aber stets top inszeniert war und bot so ein Vorab‑Finale mit Tiefgang, Trash‑Spaß und Energie – ein Must‑See‑Moment für alle Festival-Junkies.
Timmy Trumpet
Im Grand Finale heizte Timmy Trumpet deutlich nach Mitternacht auf der Water Stage den Deichbrandlern, die noch Energie hatten, noch einmal richtig ein – und bewies einmal mehr, warum er zu den Top 5 DJs weltweit zählt. Mit seiner einzigartigen Mischung aus Melbourne‑Bounce, Hardstyle und Live‑Trompetensoli – sorgte Trumpet für eine explosive Party, die sowohl festivalaffine EDM‑Veteranen als auch Neueinsteiger tanzen ließ. Die Bühnenshow, inklusive Pyrotechnik und fliegender Bässe, katapultierte das Gelände in ekstatische Rave-Sphären – da wirkte selbst die Nordseeluft elektrisiert. Wer dieses nächtliche Highlight verpasst hat, hat eine der heftigsten Festivalstunden des Sommers ausgelassen.














































































































































